Bündnis für Familie Heidelberg

Kommunen tauschen Ideen aus

Soziales: Stadt Gastgeber der „Regionalkonferenz Standortfaktor Familie“ mit 170 Personalverantwortlichen aus dem ganzen Land

Der Wettbewerb um gute Mitarbeiter hat begonnen – und wer in internationaler Konkurrenz um die besten Wissenschaftler steht, kann mit „weichen“ Standortvorteilen wie guter Wohnqualität und Familienfreundlichkeit punkten: Davon sind Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner und die Mitstreiter im „Bündnis für Familie Heidelberg“ überzeugt.

Vor drei Jahren gegründet, gilt das Netzwerk mit seinen 220 Akteuren aus 95 Unternehmen inzwischen überregional als vorbildlich. In der kommenden Woche findet in der Stadt eine von landesweit sieben Regionalkonferenzen statt. Das Thema lautet: „Standortfaktor Familie – Mehrwert für Unternehmen und Kommunen“. Zur Eröffnung wird auch Sozialministerin Monika Stolz erwartet.

„Es ist uns wichtig, Impulse in alle Regionen zu geben“, sagte Jens Ridderbusch, stellvertretender Leiter der Familienforschung im baden-württembergischen Sozialministerium, gestern bei einer Pressekonferenz im Heidelberger Rathaus. „Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden“, plädiert der Stuttgarter für regen Gedankenaustausch: „Wir wollen Entscheidungsträger und Praktiker enger zusammenbringen.“

Der demografische Wandel führe bereits heute zu Engpässen bei der Rekrutierung von Fachkräften. „Intelligente Lösungen“ seien vor allem von den Kommunen gefragt, die ihre Infrastruktur mit Blick auf die sich ändernde Verteilung der Altersgruppen anpassen müssten – und das vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Krise. Von der Konferenz erhofft sich Ridderbusch neben der Netzwerkbildung vor allem „gute Praxisbeispiele“. Mitorganisator der Regionalkonferenz, die sich als Veranstaltung der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar versteht, ist das im März 2007 ins Leben gerufene „Bündnis für Familie Heidelberg“.
Bundesweit 605 Bündnisse

Initiator Wolfgang Schütte, auch Geschäftsführer der Heidelberger Dienste, betont: „Familienfreundlichkeit ist nicht nur etwas fürs Herz, sondern hat auch einen ökonomischen Aspekt.“ Bundesweit gibt es inzwischen 605 solcher regionaler Bündnisse, sagte Koordinatorin Aline Moser. Seit der Gründung des Netzwerkes vor gut drei Jahren hat sich in Heidelberg einiges getan: Sieben Arbeitsgruppen und fünf Teilgruppen kümmern sich um Ziele, die bei einer Auftaktveranstaltung formuliert und auf Luftballone geschrieben in den Himmel geschickt wurden. Ganz oben steht das Thema „Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Inzwischen wurde unter anderem eine Babysitterbörse im Internet eingerichtet. Workshops bereiten Berufstätige auf den Wiedereinstieg nach der Babypause vor. In Notfallsituationen kann unbürokratisch eine Familienhilfe geordert werden. Achtzehn junge Mütter durften eine Berufsausbildung in Teilzeit beginnen.

Würzner hatte sich die Familienfreundlichkeit mit Beginn seiner Amtszeit vor dreieinhalb Jahren auf die Fahnen geschrieben: „Mein Wunsch ist es, dass noch mehr Familien nach Heidelberg kommen, sich hier wohl fühlen und gerne bleiben.“ Mit einer Betreuungsquote von 35,8 Prozent der unter Dreijährigen nimmt die Stadt landesweit eine Spitzenposition ein.

(Quelle: Mannheimer Morgen 
08. Juni 2010 vonRedaktionsmitglied Michaela Roßner)