Bündnis für Familie Heidelberg

Jugendliche machen ihre eigene Wurst

Bildung: Schüler schnuppern bei „FerienOnJob“ in Berufe aus fünf Branchen / Programm des Bündnisses für Familie Heidelberg

Kalt ist es in der Metzgerei Werz. So kalt, dass sich weiße Atemwölkchen vor den Mündern der fünf Gestalten bilden, die in weißen Overalls an Rinderkeulen und Wurstmaschinen vorbeistapfen. Doch sobald Felix, Mirko, Lisa-Marie, Elisabeth und Alexander Sascha selbst an die Maschinen treten dürfen, ist die Kälte vergessen. „Ich wollte schon immer erleben, wie Würstchen gemacht werden“, sagt Alexander Sascha begeistert. Schon allein für diesen Einblick hat sich die Teilnahme am Programm „FerienOnJob“ gelohnt, findet der 15-Jährige.

Zum ersten Mal hatten Jugendliche im Alter von 12 bis 16 Jahren in den Sommerferien die Gelegenheit, eine Woche lang in verschiedene Berufe zu schnuppern. Das Besondere an „FerienOnJob“ ist, dass an fünf Tagen Betriebe aus fünf Branchen besucht werden und dass überall selbst mit angepackt werden darf. „Die Jugendlichen sollen wirklich erleben, was zu dem jeweiligen Beruf dazu gehört“, erklärt Nadja Schmitt vom Bündnis für Familie Heidelberg. Sie hat das Pilotprojekt koordiniert, an dem sich die Heidelberger Dienste, der Stadtjugendring und die Wirtschaftsförderung der Stadt beteiligt haben.

Besuch bei kleinen Betrieben

Ziel des Projekts ist mehr, als Jugendlichen ein Mittel gegen Ferienlangeweile zu bieten und berufstätige Eltern bei der Betreuung ihrer Kinder zu entlasten. „Die Wirtschaftsförderung der Stadt möchte mit der Aktion auch kleine und mittelständische Betriebe unterstützen“, erklärt Schmitt. Denn gerade dort werden immer mehr Fachkräfte gesucht. Darum besuchen die Jugendlichen nicht Großbetriebe, sondern kleinere Firmen, wie die Fleischerei Werz. „Wir haben uns da gern beteiligt“, sagt Frank Werz.

Der Chef der Metzgerei in Kirchheim hat die Jugendlichen nicht nur durch seine Firma geführt, sondern auch selbst an die Wurst gelassen. „Erst haben alle igitt gerufen, aber dann hat jeder mitgemacht“, sagt Schmitt und lacht. Sogar die 14-jährige Lisa-Marie und die zwei Jahre jüngere Elisabeth sind am Ende begeisterte Wurstabfüllerinnen – auch wenn Ihnen der Besuch im Modehaus Niebel besser gefallen hat. „Da durften wir Schaufensterpuppen anziehen“, sagt Lisa-Marie.

Die 14-Jährige hat bei dem Projekt mitgemacht, um Ideen für Praktikumsstellen zu sammeln. „Ich muss nächstes Jahr Praktika von der Schule aus machen und will schon mal eine Vorahnung haben, was ich machen könnte“, sagt sie. Der zwölfjährigen Elisabeth war dagegen einfach nur langweilig: „Meine Freunde sind alle schon in Urlaub und ich hatte nichts zu tun.“ Doch egal, aus welchem Grund sie mitgemacht haben, am Ende ziehen alle Jugendlichen das gleiche Fazit: „Es war super“, sagt der 13-jährige Felix.

Das haben sich im Vorfeld des Projekts viele gedacht. „Es haben sich viel mehr angemeldet, als es Plätze gab“, sagt Schmitt. Eine Wiederholung von „FerienOnJob“ im nächsten Jahr ist daher schon fest eingeplant. Angedacht ist laut Pressestelle der Stadt auch eine Verlängerung der Projektwoche und ein Angebot in den Pfingstferien.

In der Fleischerei packen am Ende der Woche fünf Jugendliche eine große Kiste mit Leckereien. Die Würste sollen beim Abschlussfest auf dem selbst gebauten Grill der Gruppe landen, die lieber die Firma Metallbau Menges-König besucht und aus Angst vor dem Anblick geschlachteter Tiere die Metzgerei gemieden hat. Die ist eben ein Fall für besonders Mutige. „Wir konnten die Vegetarier ja nicht in die Metzgerei lassen“, sagt der 15-jährige Mirko lässig und belohnt sich für seine Freundlichkeit sofort mit einer Extrawurst.

( © Mannheimer Morgen, Samstag, 04.08.2012,  Redaktionsmitglied Kathrin Miedniak )