Bündnis für Familie Heidelberg

RNZ-Telefonaktion zur Kinderbetreuung

Ein gewisses Risiko barg die RNZ-Telefonaktion ja schon: „Rufen Sie an und sagen Sie, was gut läuft und was nicht in Sachen Kinderbetreuung“, hatten wir gemeinsam mit dem Bündnis für Familie Heidelberg die Leser aufgerufen. Dass der eine oder die andere anruft, um ordentlich Dampf abzulassen, darauf hatten sich Oberbürgermeister Eckart Würzner und die drei Bündnis-Vertreterinnen Aline Moser, Patrizia Röser und Sandra Walter also durchaus vorbereitet.

Doch es kam ganz anders am vergangenen Freitagmorgen. „Die Anrufer haben durch die Bank erst einmal gelobt“, erzählt Würzner im Anschluss, „und dann konkrete Anliegen vorgetragen oder Verbesserungsvorschläge gemacht.“ Aline Moser bestätigt das: „Alle haben sich über die Möglichkeit gefreut, so direkt Rückmeldung geben zu dürfen.“ Die Gespräche seien ausgesprochen konstruktiv gewesen.

Eckart Würzner merkt man an, dass er Spaß hat am Hörer. Die Anrufer reagieren stets etwas ungläubig, dass sie direkt beim OB gelandet sind. Manchem verspricht Würzner, ein konkretes Anliegen direkt an die entsprechende Stelle weiterzuleiten. „Wir kümmern uns darum.“

Es wird ganz deutlich, wo der Schuh akut drückt in Heidelberg. „Die Ferienbetreuung Päd-aktiv ist ein Riesenthema“, sagt Patrizia Röser und alle nicken. Viele Eltern beschwerten sich darüber, dass sie ihre Kinder schon bis 12. April 2013 für die Sommerferienbetreuung im Jahr 2014 (!) verbindlich anmelden mussten. Der OB versprach umgehend, sich darum zu kümmern. „Dieser Termin ist nicht realistisch.“ Es hätte laut Würzner zu diesem frühen Zeitpunkt ausgereicht, wenn Eltern ihr grundsätzliches Interesse an der Betreuung geäußert hätten. „Wir werden hier definitiv nachsteuern.“ Heißt im Klartext: Die Anmeldefrist für die Ferienbetreuung 2014 wird verlängert. Bis wann, steht noch nicht fest. Realistisch erscheint eine Verlängerung bis Ende dieses Jahres.

Ein anderes Anliegen vieler Anrufe waren die Betreuungsplätze bei Krippen und Kitas – und insbesondere deren Vergabe. „Die Kriterien der Vergabe bei den einzelnen Kitas und Krippen sind nicht transparent“, findet auch Aline Moser. Viele Eltern wüssten nicht, warum ihr Kind an einer bestimmten Kita keinen Platz bekommt. Dabei ließ Würzner Sympathien für eine Umstellung des Verfahrens erkennen. „Wir sollten über eine zentrale Vergabestelle nachdenken.“ Viele Anrufer hätten das befürwortet, allerdings gebe es auch Gegner einer solchen Lösung. „Eine Mutter sagte mir, sie fände das nicht gut. Sie wolle selbst Herrin des Verfahrens bleiben, wo ihr Kind hinkomme.“ Bei einer zentralen Vergabestelle, so Würzner, könnten die Eltern etwa drei Wunscheinrichtungen nennen. „Ich halte das für ein gutes Vorgehen.“ Voraussetzung für das Funktionieren eines solchen Systems ist allerdings, dass alle mitziehen – also neben der Stadt auch die kirchlichen und die privaten Träger. „Das wird nicht einfach“, meint der OB. Er werde die Sache aber weiterverfolgen und mit den zuständigen Stellen sprechen.

Weitere Wünsche der Anrufer: Mehr Betreuungsangebote in den Randzeiten und allgemein eine größere Flexibilität. „Viele brauchen etwa nur an drei Vormittagen Betreuung“, sagt Patrizia Röser, „da wäre die Möglichkeit, einen Betreuungsplatz zu teilen, sinnvoll.“ Der OB versprach: „Wir greifen all diese Ideen auf und prüfen sie.“ Es werde zeitnah Veränderungen geben. Einfach mal zwei Stunden lang zuzuhören – das hat Würzner sichtlich gefallen.

(Quelle: Sebastian Riemer, Rhein-Neckar-Zeitung vom 22.04.2013)