Porträt Alexandra Polunin (Pinterest-Beraterin)

Erzähl doch mal: Wer bist du und wer gehört alles zu deiner Familie?

Mein Name ist Alexandra Polunin und ich bin studierte Germanistin und ehemalige Texterin und Lektorin. Zu meiner Familie gehören der beste Ehemann der Welt, zwei Söhne (9 und 12 Jahre alt), ein verrückter Labradoodle namens Merlin und acht Gitarren und Ukulelen.

Was machst du beruflich?

Nachdem ich 2011 Pinterest privat völlig verfallen bin, habe ich im August 2017 meine Leidenschaft zum Beruf gemacht und bin seitdem als Pinterest-Beraterin tätig. Seitdem unterstütze ich Selbstständige und Unternehmen dabei, mit Pinterest mehr Websitebesucher, Newsletter-Abonnenten und Kunden zu bekommen.

Ich habe schon immer am liebsten mit anderen Frauen zusammengearbeitet. Denn ich finde, es kann einfach nicht genug von erfolgreichen, finanziell unabhängigen Frauen geben, die genau das tun, was sie lieben, und dabei ganz viele Menschen mit ihrer Herzensbotschaft erreichen.

Inzwischen gibt es für mich nichts Schöneres, als meine Erfahrung als Pinterest-Beraterin und Unternehmerin mit anderen Frauen zu teilen, die ebenfalls Pinterest als Dienstleistung anbieten wollen. Deshalb arbeite ich in letzter Zeit vermehrt mit virtuellen Assistentinnen und Beraterinnen zusammen und helfe ihnen dabei, ebenfalls ein erfüllendes und erfolgreiches Business rund um ihre Pinterest-Dienstleistung aufzubauen.

Warum genau hast du dich von den zahlreichen Marketing-Plattformen auf Pinterest spezialisiert?

Als ich Ende 2015 angefangen habe, nebenberuflich zu meiner Doktorarbeit zu texten und zu lektorieren, stand ich vor der Herausforderung, die viele Selbstständige bestimmt kennen:

Wie in Thors Namen komme ich denn eigentlich an Kunden?

Ich war schon immer großer Pinterest-Fan. Und als ich zufällig las, dass viele Selbstständige in den USA auf Pinterest setzen, dachte ich mir: Das probierst du mal aus!

Nach nur drei Monaten hatte ich meine Websitebesucher mit Hilfe von Pinterest von 300 auf 10.000 Tsd. im Monat vervielfacht und dann kamen auch schon die ersten Anfragen von anderen Selbstständigen in meinen Posteingang eingetrudelt: Kannst du mir dabei helfen, einen Pinterest-Kanal aufzusetzen? Kannst du für mich Pins gestalten? Kann ich dich mal für drei Beratungsstunden buchen?

Ich konnte mein Glück kaum fassen: Menschen wollten mir dafür Geld geben, dass ich für sie pinne oder mit ihnen über Pinterest rede? also habe ich im August 2017 meinen ganzen Mut zusammengenommen, meine Doktorarbeit abgebrochen und den Schritt in die hauptberufliche Selbstständigkeit gewagt. Die Spezialisierung auf Pinterest hat sich also quasi von selbst entwickelt.

Für uns wirst du im Juli den Workshop „Online-Marketing: Pinterest für kleine Unternehmen“ durchführen. Was genau erwartet die Teilnehmer /-innen in dem Workshop? 

Ja, da freue ich mich schon sehr drauf! Der Workshop richtet sich an Einsteiger und alle, die überlegen, ob Pinterest ein geeigneter Marketing-Kanal für sie wäre. Wir klären Fragen wie:

  • Was ist Pinterest und warum sollte ich die Plattform für mein Business nutzen?
  • Erreiche ich meine Zielgruppe auf Pinterest?
  • Welche Voraussetzungen muss ich für die Plattform mitbringen?
  • Wie werde ich mit Pinterest online sichtbar?

Und natürlich werden wir Zeit für Austausch und individuelle Fragen haben.

Wie organisierest du die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Bei uns lastet die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zum Glück nicht nur auf meinen Schultern, sondern ich kann mir alle Care-Aufgaben zur Hälfte mit meinem Mann teilen. So hat er als Lehrer zum Beispiel kein volles Deputat mehr, sondern arbeitet „nur noch“ 75%. Der Rest ist einfach nur Organisation, Planung und Kommunikation.

Über die Jahre sind wir Fans von kleinen, digitalen Helferlein geworden, die uns die Vereinbarkeit enorm erleichtern. So nutzen wir zum Beispiel einen Google Kalender, in den wir unsere beruflichen Termine eintragen. Und wenn ich einen Termin eingetragen habe, weiß mein Mann, dass diese Zeit für ihn tabu ist. Und umgekehrt gilt natürlich dasselbe auch. So stellen wir sicher, dass wir nicht plötzlich Stress bekommen, wenn ein Kind spontan krank wird und wir beide verplant sind.

Der Lockdown hat an unserer Aufteilung der Clare-Arbeit nichts geändert, aber uns noch einmal vor Augen geführt, wie wichtig es ist, miteinander zu reden. So setzen wir uns seit dem Lockdown noch regelmäßiger hin und überlegen: Welche Termine stehen an? Wer kocht an dem Tag? Wer unterstützt die Kinder beim Fernunterricht? etc.

Und schließlich sind unsere Kinder bereits so alt, dass sie selbstständig Aufgaben übernehmen und uns auch so entlasten: Der Neunjährige gießt zum Beispiel täglich die Blumen, während der Zwölfjährige die Wohnung saugt. Und mittlerweile kann der Ältere sogar mal Mittagessen kochen, falls wir es partout nicht schaffen. Das ist natürlich eine wahnsinnige Entlastung.

Wie sieht dein typischer Arbeitsalltag aus?

So ein Offline-Workshop für die Parentrepreneurs ist bei mir tatsächlich die Ausnahme -ich arbeite zu 99,9% remote.

Über die Jahre habe ich mir meinen Arbeitsalltag so gestaltet, dass er zu mir und meiner Familie passt. Dienstag und Donnerstag sind bei mir zum Beispiel Kundentage mit fixen Terminen. Hier betreue ich die Teilnehmerinnen in meinen Onlineprogrammen und führe meine Beratungen durch. (Und mein Mann weiß: Sollte an den Tagen ein Kind krank werden, springt er ein.)

Montag, Mittwoch und Freitag sind meine Businesstage – hier kümmere ich mich um mein eigenes Marketing, die Entwicklung neuer Produkte, Kooperationen, Finanzen und Co. Hier bin ich flexibler und kann da sein, wenn’s brennt.

Alle Arbeitstage beginnen und enden bei mir mit einem Spaziergang mit dem Hund. Das hilft mir morgens dabei, in die Gänge zu kommen, und nachmittags, von der Arbeit abzuschalten.

Und dazwischen arbeite ich einfach konzentriert – von 9 bis 15 Uhr. Und dann mache ich auch wirklich Schluss, weil ich weiß: Ich brauche den frühen Feierabend, um auch am nächsten Tag gute Arbeit leisten zu können.

Was sind diesbezüglich deine größten Herausforderungen?

Ich glaube, da geht es mir, wie vielen anderen Eltern auch: Man tüftelt so tolle Pläne aus und dann et voilà la réalité:

Das Kind fällt unglücklich und muss zum Arzt, der Hund kriegt Durchfall, die Waschmaschine kann nicht mehr waschen. Und das passiert alles gleichzeitig, gerade an dem Tag, an dem man eh schon so viele Termine hat oder gerade selbst nicht fit ist.

Solche Tage werden mit zunehmendem Alter der Kinder zum Glück seltener, aber es gibt sie immer noch und ich löse sie ganz unpädagogisch mit einer großen Pizza und mehreren Folgen unserer Lieblingsserie. Man muss sich das Leben ja nicht schwieriger machen als nötig.

Welche Rolle spielt Zeit für dich? Hast du in deinem Alltag Zeit für dich? Wenn ja, wie gestaltest du sie?

Ich halte nichts vom Konzept „selbst und ständig“ und habe deshalb von Anfang an darauf geachtet, nicht in das typische Selbstständigen-Hamsterrad zu kommen. Es fängt damit an, dass ich mir die Wochenenden und Abende grundsätzlich freihalte und nicht arbeite – egal, wie viel Aufgaben auf mich warten.

Die Dinge, die ich mag, mache ich deshalb auch tatsächlich (fast) täglich: Spaziergänge mit Mann und Hund, schnulzige Liebesromane lesen, mit den Kindern Poker spielen, gut kochen. Einfach ein entspanntes Leben führen – das ist mir wichtig.

Welchen Tipp hast du an Eltern, die sich selbständig machen wollen?

Bloß nicht versuchen, alles selbst zu machen, sondern früh auslaagern! Ich habe inzwischen fünf Mitarbeiterinnen, die für mich Technik, E-Mail, Kunden-Support etc. übernehmen und ich wirklich nur noch die Dinge erledige, die nur ich machen kann. Das schafft Freiräume, die man für die Familie nutzen kann.

Und schließlich viel miteinander reden: Die Kombination Selbstständigkeit + Familie funktioniert noch besser, wenn man sämtliche Details proaktiv klärt und nicht erst wartet, bis das Chaos ausbricht.

Liebe Alexandra, vielen Dank für das Interview.

Porträt Iris Weinmann – Businesscoach und Klarheitsförderin

Erzähl doch mal: Wer bist du und wer gehört alles zu deiner Familie?

Foto: Stefanie Walden / Berlin

Mein Name ist Iris Weinmann und wir leben und arbeiten von zuhause aus in Rottweil. Wir, das sind meine Mann, unsere Töchter Jule (10) und Frida (8), meine Schwiegermutter und ich. Zur Mini-Familie gehören natürlich auch meine Eltern, die in der Nähe leben und uns tatkräftig unterstützen. Meine beiden Geschwister arbeiten und leben zeitweise im Ausland.

Und nun zu deinem Unternehmen: Was genau machst du beruflich und wie war dein Weg dorthin?

Anfang 2014 habe ich mich Hals über Kopf selbstständig gemacht. Mit hohen Erwartungen und viel Wums. Aber… ohne Klarheit. Ich war Online- und Social Media Marketing-Beraterin für KMU’s, hatte eine Dozentenstelle an der IHK Villingen, etablierte den Online Stammtisch Schwarzwald-Baar-Heuberg und war ganz schnell im Hamsterrad.

Das führte dazu, dass ich mich im Januar 2016 ohne Ziele, Wünsche, Träume und Hobbies weinend in der Küche wiederfand. Die totale Leere …

Was fehlte? Klarheit. Klarheit darüber, was ich wirklich will, was ich kann und wie ich ticke. Ich begab mich auf eine Entdeckungsreise zu mir selbst und erarbeitete meine Lebensvision und den Zweck meines Lebens. Ich erkannte, dass ich mich, um meine persönlichen und beruflichen Ziele zu erreichen,  stetig persönlich weiterentwickeln, mich verändern musste.

Und genau das tat ich. Und weil ich heute weiß, wie wichtig Persönlichkeitsentwicklung ist, um seine Ziele, Wünsche und Träume zu erkennen und zu erreichen, unterstütze ich als Klarheitsförderin, Visionboard Expertin sowie Business- und Mindsetcoach Frauen dabei, Klarheit zu gewinnen und ihre Ziele zu verwirklichen.

Warum hast du dich auf die Arbeit mit Frauen und v.a. Müttern konzentriert?

Foto: Stefanie Walden / Berlin

Meine Vision ist die Gleichstellung von Frau und Mann, von Mann und Frau. Davon sind wir meiner Ansicht nach in unserer westlichen Welt noch sehr weit entfernt.

Ich möchte, dass meine Töchter in einer Welt leben, in der die Gleichstellung und die Vereinbarung von Familie und Beruf nicht mehr diskutiert und durch Quoten hergestellt werden muss.

Wenn ich in Kommentaren höre “Viele Frauen wollen doch gar nicht die Gleichstellung.” oder “Die Frauen möchten doch gar nicht in die höheren Etagen.” Dann bekomme ich einen Rant!

Denn, wenn wir hinter die Kulissen schauen,  ist es leider immer noch so, dass wir Frauen und Männer von alten Denk-, Gefühls- und Verhaltensmustern geprägt sind. Diese werden immer noch in modernen Kindertagesstätten und Schulen gelebt. Medien,  Werbung und Fernsehfilme machen Mädchen und Frauen  immer wieder “klein”. Sei hübsch, fleißig und lächle schön. Du kannst doch nicht auf Bäume klettern wie ein Junge …

Jungen werden “groß” gemacht. “Du kannst doch nicht mit Puppen spielen. Du bist doch ein großer Junge. Jetzt weine mal nicht – du bist doch kein Mädchen.”

“Wie ticke ich” – daran sollten alle Frauen und Männer, vor allem wir Eltern bewusst arbeiten. Denn wir schleppen über Jahrzehnte unbewusst Gefühls-, Denk- und Verhaltensmuster mit uns mit, die wir wiederum unbewusst an unsere Kinder weitergeben. Um diese Muster zu unterbrechen, bedarf es an Klarheit. Dann erst können wir uns verändern und mit Gewohnheiten brechen. Das ist Arbeit. Arbeit an sich und mit sich. Bei diesem Prozess helfe ich Frauen und wer will, auch Männern.

Für uns wirst du im November einen Vision-Board Workshop anbieten. Erzähl doch mal was uns erwartet. Was ist ein Vision-Board und warum ist es sinnvoll?

Foto: Stefanie Walden / Berlin

Klarheit ist der Generalschlüssel zum Erfolg. Klarheit ist so vielseitig. Wir alle, egal ob selbstständig oder nicht, jung oder alt, Single oder Familienmensch, brauchen Klarheit. Klarheit darüber, was wir für persönliche und berufliche Ziele, Wünsche und Träume haben. Wie, mit wem und wo wir leben wollen. Was wir für Werte und Sehnsüchte haben.

Klarheit über seine Ziele, Wünsche und Träume bedeutet, dass du bewusst deine Zukunft gestaltest.

Dabei kann dir ein Visionboard anschaulich helfen. Banal gesagt, ist ein Visionboard ein Blatt Papier, auf dem ein paar Bildchen und Texte zu sehen ist. Doch, wenn du genauer hinschaust, ist darin sehr viel mehr enthalten.

Es sind deine bewussten und unbewussten Sehnsüchte drauf. Deine Ziele, Wünsche und Träume. Es macht deine Herzstimme sichtbar. Bringt dein

Foto: Stefanie Walden / Berlin

Unterbewusstsein ans Licht. Das, was ganz tief in dir verborgen ist.

Der Workshop und das Visionboard unterstützt dich dabei, genau das zu visualisieren. Und damit deine Ziele im Trubel, im Alltag nicht in Vergessenheit geraten und du dich täglich damit beschäftigst, unterstützt dich dein persönliches Visionboard dabei, diese nicht aus den Augen zu verlieren. Und zu handeln. Im Auge. Im Sinn …

Eine Teilnehmerin sagte zu mir: “Ein Visionboard sollte jeder haben”.

Wie lebst und organisierst du die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Wie sieht dein typischer Alltag aus?

Mein typischer Alltag. Schwierig. Seit Corona hat sich doch einiges verändert ;-). Als Selbstständige ist es unglaublich wichtig, Balance zu halten. Ich stehe morgens um 6 Uhr auf und gehe joggen. Während ich jogge, schöpfe ich Kraft, gestalte meinen Arbeitstag und hole mir Inspirationen.

Währenddessen ziehen sich die Kinder an und frühstücken mit meinem Mann. Nach dem Joggen mache ich das Vesper für die Schule und richte mich für den Tag. Im Büro schreibe ich immer als erstes in mein “Klarheitstagebuch” und gestalte meinen Tag mit Zeitangabe, strukturiere ihn. Seit ein paar Monaten nutze ich die Pomodorotechnik: 25 Minuten arbeiten – 5 Minuten Pause – 25 Minuten arbeiten … Kann ich sehr empfehlen.

Gegen 12 Uhr gibt es  ein veganes Mittagessen, zusammen mit meinem Mann. Die Kinder sind über Mittag entweder in der Schule oder bei ihren Großeltern. Spätnachmittags  verbringe ich Zeit mit meinen Töchtern und kümmere mich um das Haus und was alles sonst noch ansteht. Und wenn viel los ist, geht es abends wieder ins Büro bzw. an den Rechner.

Was sind diesbezüglich deine größten Herausforderungen?

Mein Mann und ich haben uns mittlerweile sehr gut organisiert. Wir nehmen unterschiedliche Hilfen in Anspruch. Für unsere Großmutter im Haus haben wir seit kurzem einen Pflegedienst beauftragt, weil wir aufgrund von Corona und ihrem Gesundheitszustand am Limit waren.

Die Kinder gehen gerne in die Betreuung und meine Eltern unterstützen ebenfalls. Herausfordernd wird es, wenn Krankheiten der Kinder dazwischen kommen. Auch die 12 Wochen Schulferien im Jahr sind eine große Herausforderung.

Wenn du dir etwas wünschen könntest – was wäre das?

Noch mehr Flexiblität mit der Familie. Auch mal unterjährig einfach mit der Familie auf Achse zu sein und zu arbeiten. Das wäre schon toll.

Welchen Tipp hast du an Eltern, die sich selbständig machen wollen?

Foto: Stefanie Walden / Berlin

Meiner Erfahrung nach geht es um zwei zentrale Punkte, wenn du dich selbstständig machen möchtest.

Tipp 1: Klarheit finden! Werde dir glasklar darüber, was du als Mensch und Selbstständige wirklich willst.  Was du kannst und dir Spaß macht. Und  wie du tickst.

Wenn du weißt, was deine Talente und Fähigkeiten sind, welche Ziele, Wünsche und Träume du hast und deinen Status Quo in allen Lebensbereichen kennst, dann spürst  du sehr genau, welches deine nächsten Schritte sind.

Tipp 2: Arbeite an dir. Ständig. Damit du über dich hinauswachsen kannst und deine persönlichen Grenzen versetzt. Denn Erfolg liegt in der Regel außerhalb der sogenannten Komfortzone – also hinter unserer natürlichen Grenze.

Daher müssen wir dran bleiben und zusehen, dass wir diese Stück für Stück versetzen. Indem wir uns mehr zutrauen als wir uns zunächst vorstellen können. Manchmal musst du dich dafür verändern um deine Ziele zu erreichen. Konkret bedeutet das:Verwandle Schritt für Schritt dein HEUTIGES ICH in dein ZUKÜNFTIGES ICH, damit du deine Ziele erreichst!

Über meine 157 cm bin ich inzwischen übrigens deutlich hinausgewachsen ;-).
Wir können ALLE viel mehr erreichen als wir glauben, wenn wir Klarheit haben und den Mut, Veränderungen zuzulassen …

Liebe Iris, vielen Dank für das Interview.

Porträt Juli Gerner und Isabelle Kempf zum Thema Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit im Unternehmertum wird immer bedeutsamer. Dabei beinhaltet Nachhaltigkeit viele Aspekte: Vom wirtschaftlichen Erfolg über den schonenden, wiederverwendbaren Einsatz von Ressourcen bis hin zu guten und fairen Arbeitsbedingungen.

Die Parentrepreneurs hatten bei ihrem Netzwerktreffen im April die Nachhaltigkeitspionierinnen Julia Gerner und Isabelle Kempf zu Gast. Julia ist der Kopf hinter dem Heidelberger Schmucklabel fremdformat, das sich durch und durch nachhaltig gestaltet. Isabelle setzt sich seit 2015 mit ihrem Modeladen „umgekrempelt“ mitten in den Mannheimer Quadraten für eine faire und nachhaltige Mode ein. Für ihr Label Pikobella kreiert Isabel originelle Unikate aus Lieblingsstücken. Die parentrepreneurs haben bei Isabelle nachgefragt:

Isabelle, wie kamst du auf die Idee nachhaltige Mode selbst herzustellen und dich auf faire Mode zu konzentrieren? 

Wie bei so Vielen hat es bei mir 2013 Klick gemacht und ich habe mich auf den Weg gemacht. In Dhaka (Bangladesh) stürzte das Gebäude Rana Plaza ein. Über 1000 Menschen starben, weitere 2000 wurden verletzt. Davor hatte ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wo die Kleidungsstücke in meinem Kleiderschrank eigentlich herkommen. Da wurde mir schlagartig klar, dass in der Textilindustrie etwas gewaltig schief läuft und ich das nicht mehr unterstützen möchte. Nein, viel mehr wollte ich diejenigen unterstützen, die es anders und besser machen – denn auch die gibt es immer mehr. Fairness in der Produktion und Nachhaltigkeit in Bezug auf die Materialien, aber auch auf unseren Umgang mit der Kleidung, gehen dabei für mich Hand in Hand. Nur wenn man beide Aspekte berücksichtigt, kann man zukunftsfähige Lösungen für die Textilproduktion finden.

Wie bist du auf den Namen „umgekrempelt“ gekommen? 

Ich bin ganz viel Spazieren gegangen und habe überlegt, welcher Begriff in der Lage sein könnte, all das zu transportieren, was mir wichtig ist. Außerdem wollte ich einen Namen, den ich selbst so richtig cool finde, denn ich empfinde ihn als sehr identitätsstiftend für einen Laden. Dementsprechend lange hat es gedauert, bis der Geistesblitz kam. Aber ich bin nach fast 4 Jahren immer noch sehr glücklich damit. Er verbindet sehr gut meine Upcycling-Aktivitäten mit den Mode-Produzenten, die ihre Lieferketten komplett umgekrempelt haben.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Upcycling, Slow, Fair und Eco Fashion? 

Upcycling ist eine Form der Wiederverwertung von Rohstoffen, wie das Recycling auch. Die Besonderheit ist, dass aus einem vermeintlichen Abfallprodukt (kaputte Jeans, altes Banner) etwas Höherwertiges hergestellt wird (zum Beispiel Turnbeutel), ohne das Material wieder neu zu produzieren. Beim Recycling kommt am Ende etwas Gleichwertiges raus, das gängigste Beispiel ist wohl Recyclingpapier aus Altpapier. Aus der alten Zeitung einen Hut zu falten, ist Upcycling! Fair Fashion und Eco Fashion sind für mich Teilbereiche von Slow Fashion. Bei fairer Mode geht es vor allem um die Produktionsbedingungen, um Arbeitssicherheit und existenzsichernde Löhne. Bei ökologischer Mode geht es um Materialien, um Umweltschutz und Hautverträglichkeit. Wie schon gesagt, funktioniert für mich sowieso nur beides zusammen. Slow Fashion enthält beides und geht noch einen Schritt weiter. Slow Fashion ist eine Haltung. Sie beginnt damit, dass wir unseren Umgang mit Kleidung hinterfragen. Was habe ich schon in meinem Schrank? Trage ich die Sachen auch? Was brauche ich wirklich? Warum gehe ich gerade einkaufen? Weil ich Frust beseitigen möchte oder weil ich wirklich etwas brauche oder mir bewusst etwas gönnen möchte, an dem ich lange Freude haben werde? Fair und Eco Fashion zu kaufen ist eine logische Konsequenz davon. Ich finde es aber auch sehr wichtig, Konzepte wie Second Hand und Kleidertausch mit einzubeziehen und Kleidungsstücke zu reparieren. Deshalb biete ich das bei umgekrempelt auch mit an. Und ich bin erstaunt, wie viele Menschen nicht wissen, dass man Jeans super reparieren kann. Damit spart man nicht nur Geld, sondern auch jede Menge Ressourcen.

Kannst du uns ein wenig über deine Erfahrungen als selbständige Unternehmerin erzählen? 

Ich bin damals einfach losgegangen – mit einem starken inneren Antrieb zum Weltverbessern. Das Konzept kam dann nach und nach und wurde immer klarer. Ursprünglich sollte es ein Nähcafé werden. Das habe ich dann erstmal hinten angestellt und verfolge es jetzt mit meinen Workshops wieder verstärkt. Für mich ist wichtig, dass immer ein roter Faden erkennbar ist, so dass die Leute wissen, was sie bei mir im Laden erwarten können. Und auf dieser Basis lasse ich meiner Kreativität freien Lauf! So überrasche ich mich und meine Kunden auch immer wieder selbst – und ich bin gespannt, was da noch alles kommt. Das ist für mich das tolle als Unternehmerin, dass ich meine Ideen umsetzen kann. Wenn ich heute einen Turnbeutel nähe, dann kann ich ihn 5 Minuten später verkaufen, weil ich ihn nur ins Schaufenster hängen muss und er wird gesehen.

Du stellst auch eigene Produkte her, welche sind bei deinen Kunden besonders beliebt? 

Der eben genannte Turnbeutel ist eindeutig das beliebteste Produkt von meiner Eigenmarke pikobella. Man kann mir auch eigene kaputte Kleidungsstücke bringen und ich mache den Turnbeutel daraus. So hat man nicht nur ein Unikat, sondern sogar eines mit ganz persönlichen Erinnerungen. So bekommen lädierte Lieblingsstücke eine zweite Chance.

Welchen Tipp hast du an Familien, wie man den Alltag nachhaltiger gestalten kann? 

Mein Tipp ist zu schauen, welcher Abfall im Alltag besonders häufig anfällt, denn da hat eine Veränderung dann die größte Wirkung. Wir sind zum Beispiel eine Heuschnupfenfamilie und sind irgendwann in meiner Jugend auf Stofftaschentücher umgestiegen. Das hatte eine riesige Auswirkung bei uns, weil unser Verbrauch für Papiertaschentücher vorher enorm war. Abgesehen davon hatten wir viel weniger wunde Nasen mit den Stofftaschentüchern. Vor kurzem habe ich bei uns die Küchenrolle durch alte Socken, Unterhosen und T-Shirts ersetzt. Einfach in gebrauchsfertige Stücke schneiden und in ein Utensilo oder eine Stofftasche packen. Wenn sie griffbereit sind, dann sind sie echt praktisch. Je nachdem kann man sie dann einfach wegwerfen oder immer wieder waschen. Ich glaube ganz entscheidend ist, dass die Veränderungen, die man sich vornimmt, praktisch sind und Spaß machen. Denn dann bleiben wir dran und schaffen tatsächlich eine dauerhafte Veränderung. Niemand muss von heute auf morgen alles richtig machen, das würde auch gar nicht funktionieren. Lieber machen viele Leute viele kleine Schritte mit viel Freude und die dann auch wirklich langfristig.

Julia,fremdformat kreiert nachhaltigen und fairen Schmuck. Woher kommen Eure Materialien und was hat es mit Gold auf sich?

Bei der Schmuckherstellung kommen bei uns hauptsächlich industrielle Materialien zum Einsatz, welche als Reste in der metallverarbeitenden Industrie anfallen und dadurch Unikate mit einzigartigem Charakter entstehen lassen. Für vergoldete Elemente in der Kollektion wird Recycling Gold bzw. Silber verwendet. Auf Edelmetalle und -steine, welche unter fragwürdigen Bedingungen für die Schmuckindustrie gewonnen werden, wird komplett verzichtet. Um Ressourcen bewusst und umweltschonend zu nutzen, werden die Rohmaterialien von hauptsächlich lokal ansässigen ProduzentInnen bezogen. Warum machen wir das? Der Gold- und Silberabbau geht mit erheblichen Schaden für Mensch und Umwelt einher. Um zwei Beispiele zu nennen: für die Herstellung eines einzigen  Goldrings fallen 20 Tonnen Giftmüll an. Das muss man sich mal der Zunge zergehen lassen. Ein weiteres Problem des Abbaus: schätzungsweise arbeiten alleine in Afrika eine Millionen Kinder in Goldminen.

Wie und wo vertreibt ihr eure Produkte?

Wir produzieren jedes Schmuckstück in Handarbeit und stellen unseren Schmuck meistens in Kleinserie her. Produziert wird immer auf Bestellung, so haben wir keine Lagerware, die man am Ende der Saison im Sale verschleudern muss. Man kann sich bei uns aber selbstverständlich auch ein Unikat anfertigen lassen. Wir verkaufen unseren Schmuck über unseren Online-Shop fremdformat.de, über unser STUDIO (Bergheimer Str. 29, HD) und über andere faire Concept Stores deutschlandweit und in der Schweiz.

Du hast berichtet, dass ihr nicht nur in der Produktion, sondern auch im Alltag sehr auf Nachhaltigkeit achtet. 

Wir haben bei fremdformat schon immer darauf geachtet, dass Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich anzugehen. Zum Beispiel, dass wir plastikfrei verpacken und verschicken, unsere CO2 Emissionen ausgleichen und einen regionalen Öko-Strom Anbieter nutzen. Persönlich achte ich beispielsweise darauf, Einmal-Plastik-Verpackungen zu meiden und meinen Konsum ganz allgemein immer wieder kritisch zu überdenken, viel Second Hand kaufen usw.

Welche Tipps hast du an Gründerinnen bzgl. Sustainability, die zu berücksichtigen es sich lohnt?

Meiner Meinung nach muss sich jede Gründerin mit dem Thema auseinander setzen, da wir keine andere Wahl mehr haben. Man sollte jede Entscheidung auch hinsichtlich der Nachhaltigkeit überdenken und sich fragen, was in dieser Situation die nachhaltigste Lösung ist. Gründungen, die nur auf wirtschaftlichen Erfolg gedacht sind und sich nicht mit den Folgen ihres Handelns für die Umwelt beschäftigen sind nicht mehr zeitgemäß.

Liebe Isabelle und Julia, herzlichen Dank für das spannende Interview.

Porträt Sabine Nielsen und Kathrin Wagner zum Thema Recht & Geld

Als Parentrepreneurs muss man sich früher oder später mit Rechtsfragen auseinandersetzen. Sabine Nielsen ist eine englisch qualifizierte Anwältin, die sich 2011 mit ihrer Kanzlei in Mannheim selbständig gemacht und auf das Gebiet englisches Recht und Vertragsrecht spezialisiert hat. Kathrin Wagner arbeitet seit 2010 als selbständige Vermögensberaterin und ist der Auffassung, dass es in der heutigen Zeit immer wichtiger wird, über das Thema Geld nachzudenken, statt nur dafür zu arbeiten.

Sabine, du bist Solicitor of England and Wales, was verbirgt sich hinter dieser Berufsbezeichnung?

Sabine Nielsen, Solicitor of England & Wales

Das ist der offizielle Anwaltstitel in England. Ich bin Deutsche, habe Soziologie und Englisch in Birmingham studiert und in Rechtswissenschaften absolviert. Übrigens gab es zu dieser Zeit in England die erste Frauenfirma, für die es wichtig war, den Frauen auch die Möglichkeit zu geben von zu Hause aus zu arbeiten. Dort habe ich allerdings nicht gearbeitet, sondern dann ein Angebot in Dubai bekommen und habe dort mit Immobilienrecht und Vertragsrecht zu tun gehabt.

Ein spannender, internationaler Werdegang. Du arbeitest inzwischen selbständig. Mit welchen Anliegen bist du konfrontiert? 

Vertragsrecht, AGB´s, Dienstleistungsverträge, Non-Disclosure Verträge oder auch Geheimhaltungs-Verträge genannt, Urheberrecht, aber auch zu Fragen wie Datenschutz, Impressum, Haftungsausschuss bekomme ich unter anderem Anfragen von meinen Mandanten.

Worüber sollten sich Selbständige, Start-ups oder Existenzgründer zunächst Gedanken machen?

Kernpunkt ist die Geschäftsidee. Was brauche ich für mein Produkt? Möchte ich dieses über das Internet anbieten oder nicht? Hat man ein physisches Produkt oder eine Dienstleistung? Wem möchte man etwas anbieten? Dem Endverbraucher oder Geschäftskunden? Das sind die Kernfragen, aus welchen sich alle weiteren Punkte wie ein roter Faden entwickeln.

Kathrin, du arbeitest als Finanzcoach. Welche Themen begegnen dir in deiner täglichen Arbeit? 

Kathrin Wagner, Deutsche Vermögensberatung

Das Thema Finanzen und das Wort „Geld“ wird in den meisten Fällen negativ behaftet (zumindest in Deutschland). Es gibt bzw. gab zu oft negative Presse, den Bereich Finanzen/ Finanzberater betreffend, so dass dieses Gebiet oft nicht beachtet wird, auch aus Angst, etwas „Falsches“ zu machen. Halbwissen durch soziale Medien und Vergleichsportale lassen gerade „Neuanfänger“/ start- ups zu billigen Absicherungen greifen, die in den seltensten Fällen auf das Unternehmen angepasst sind mit der Einstellung „ich mache das selbst“.

Wie hoch ist eigentlich der Frauenanteil in der Finanzbranche?

Finanzberater sind immer noch vorwiegend männlich, was Frauen oft vor einer Beratung zurück schrecken lässt oder diese wichtige Aufgabe wird an den Ehemann/Partner übertragen. 

Wo liegt dein Arbeitsschwerpunkt?

Ich persönliche arbeite mit einer individuellen Finanzanalyse, einer Einnahmen- und Ausgabentabelle, einer Zielplanung und der genauen Betrachtung des eigenen Konsumkontos. Nach solch einer Aufstellung kann eine optimale Finanzstrategie erstellt werden und meine Kunden sind dankbar und erkennen den Mehrwert eines Coachings. Leider kommen viele meiner Mandanten erst, wenn es zu spät ist (z.B. ein Schadensfall schon eingetreten ist).

Mit welchen Fragestellungen bist du konfrontiert? 

Welche Versicherungen benötige ich zu Beginn einer Selbstständigkeit? Welche Kosten kommen auf mich zu und welche Schadensfälle können eintreten? Brauche ich diese überhaupt? Was mache ich eigentlich bei einem Krankheitsfall? (kurzfristig und langfristig?), was passiert wenn ich meinen Beruf nicht mehr ausüben kann? Wie sichere ich meine Familie ab? (wenn Hauptverdiener) Wie viele Rücklagen sollte ich bilden? 

Gibt es wichtige Gesetzesänderungen für 2019?

Es gibt mehr Kindergeld und eine Beitragssenkung für geringverdienende Selbständige. Hier die wichtigsten Änderungen für 2019.

Sabine, letzte Frage, inwiefern betrifft dich der Brexit persönlich?

Das ist eine komplexe Sache. Die Zulassung Solicitior ist nur unter europäischen Richtlinien gestattet. D.h. ab dem 29.3.2019 – wenn es zum harten Brexit kommt – dann existieren alle europäischen Richtlinien nicht mehr zwischen Europa und England und somit dürfte ich nicht mehr als Anwältin praktizieren. Deshalb bin ich gerade dabei den deutschen Anwaltstitel zu machen und mich zusätzlich über die Rechtsanwaltskammer in Irland anzumelden, welche die Bezeichnung automatisch anerkennt. Das ist meine eigene Übergangslösung (lacht).

Vielen Dank für das Interview. Wir freuen uns auf Euren Impulsvortrag bei den parentrepreneurs am 22.2.2019 im Dezernat 16.

Porträt Sandra Schindler: Von den Geistern der Kreativität besessen

Kinderbuchautorin Sandra Schindler über das Bücherschreiben

„Ach, ich würde auch gerne mal ein Buch schreiben!“ – das ist die TOP-1-Reaktion, die ich bekomme, wenn ich sage, dass ich Kinderbuchautorin bin. 

Bücher schreiben: Wie geht denn das?

Aber wie schreibt man ein Buch? Diese Frage ist leicht zu beantworten: Fang einfach an. Mach dir keine Gedanken darüber, ob es hinterher jemand mögen wird oder ob alles voller Fehler ist – überarbeiten kannst du es hinterher immer noch. Wer ein Buch schreiben will, sollte das erst mal für sich selbsttun – und nicht mit imaginären Lesern im Hinterkopf.

Wenn alles fertig ist, ist Schritt 1, das Geschriebene noch mal zu überarbeiten, eventuelle Fehler auszumerzen, ungünstige Formulierungen durch bessere zu ersetzen – und Überflüssiges rauszukürzen. Dann mindestens 2 x lesen, anschließend auf Schmierpapier ausdrucken und ein drittes Mal selbst laut lesen. Dadurch schaffst du eine Distanz zu deinem Text, kannst das Geschriebene wahrnehmen wie ein neutraler Leser– und bekommst ein Gespür dafür, ob dein Text gut ist oder nicht. Wenn die eigene Einschätzung ergibt, dass da noch viel Luft nach oben ist, darf deine literarische Reise erst einmal zu einem Schreibcoach führen. Fühlt sich dein Text gleich gut an, kannst du ihn ein paar Testlesern aus dem Freundeskreis geben. Bau die hoffentlich wohlmeinende konstruktive Kritik ein, die du bekommst, und schicke dann am besten zumindest mal den Anfang zur Sicherheit einer freien Lektorin / einem freien Lektor (eine gute Auswahl findest du beim Lektorenverband VFLL – ). 

Wie es danach weitergeht? Das kannst du in meinen FAQ nachlesen, in denen ich die häufigsten Fragen zusammengefasst habe, die mir in meiner Zeit als Lektorin gestellt wurden. 

Bücher schreiben: Vom Schreiben leben? 

Bleibt nur noch die Frage: Wie schafft man es, dauerhaft dranzubleiben und letztendlich erfolgreich zu sein? Meiner Meinung nach gibt es fünf Faktoren:

1. Leidenschaft:
Da ist dieser innere Drang, Geschichten zu erzählen. Dieser Drang ist so stark, dass nichtseine Chance hat, das Schreiben von Platz 1 der Prioritätenliste zu verdrängen. Wenn sich eine Idee im Kopf eines Schreibenden festgesetzt hat, will sie raus aufs virtuelle Papier, und zwar sofort!  Richtig schwierig wird es nur dann, wenn die Idee unbedingt in dem Moment raus will, wenn Frau eigentlich putzen und kochen müsste, weil sich Besuch angekündigt hat. Wer aber mit Leidenschaft schreibende Autoren kennt, verzeiht denen das sogar – und notfalls wird halt einfach fix Pizza bestellt. Zum Glück hat man solche intensiven Phasen nicht ständig, aber es kommt vor – von den guten Geistern der Kreativität besessen sein, würde ich das nennen. Natürlich arbeitet nicht jeder Schriftsteller mit solcher Leidenschaft, aber ich bin der Meinung: Wer schreibt, weil er sich dazu gezwungen fühlt, der hat entweder seinen Beruf verfehlt – oder im Laufe der Karriere den Sinn für das Wesentliche verloren. Vielleicht tut in dem Fall eine Pause gut, denn das inkompatibelste Team, das es gibt, ist das Pärchen Kreativität + Druck. Geht vielleicht eine Weile gut, aber nicht auf Dauer.

2. Ausdauer und Geduld:
Ohne einen langen Atem – oder, wie der Spirituelle sagen würde: eine entspannte Bauchatmung – geht gar nichts. Ich habe schon so viele Autoren gesehen, die ungeduldig wurden – und sich aus lauter Ungeduld alle Chancen in der Verlagsbranche verscherzt haben. Bitte tu das nicht! Geh davon aus, dass es Jahre dauern kann, bis das erste Buch auf den Markt kommt – und dann noch mal Jahre, bis sich der Erfolg einstellt. Die Verlage wollen sehen, dass da jemand ist, der dranbleibt und dem immer wieder neue Geschichten einfallen. Jemand, der sich von Rückschlägen nicht abhalten lässt.  

3. Talent und Einzigartigkeit:
Ein Buch schreiben, das kann jeder. Aber sich dauerhaft auf dem Buchmarkt halten, das können nur diejenigen, die eine Begabung plus einen einzigartigen Stil haben. Dieser Stil darf sich nicht an gängigen Trends orientieren, sondern er kann durchaus konträr sein zu allem, was es bisher schon gab und zu allem, was als erfolgsversprechend eingestuft wird.Was die Verlagssuche natürlich nicht einfacher macht. Womit wir wieder bei Punkt 2 angelangt sind. 😉

4. Intuition:
Die Intuition gibt dir vor, welche Buchprojekte du verfolgen, mit welchen Autorenkollegen, Literaturagenten oder Verlagen du dich zusammentun solltest – und mit welchen nicht. Wer auf die eigene Intuition hört, wird immer wieder Zeichen bekommen, dass er auf dem richtigen Weg ist. 

5. (Selbst-)Vertrauen und Scheißegal-Haltung:
Je erfolgreicher das Schreiben, desto heftiger die Kritik-Wirbelstürme. Das muss man aushalten können. Eine Rezension, die unter die Gürtellinie geht, achselzuckend wegstecken, das kann vermutlich niemand von Anfang an. Wer den Zwang hat, alles lesen zu müssen, was über einen geschrieben wird, dem mag es helfen, sich in die kritikübende Person einzufühlen. Kritik ist sowas von subjektiv – und spiegelt nur die Emotionen des Kritikers, nicht die des Autors. Wenn sie den Autor dauerhaft treffen kann, dann nur deshalb, weil er die bösen Worte glaubt, die über ihn geäußert wurden. Ein Zeichen, an sich selbst zu arbeiten. 🙂 Oder man macht es gleich wie z. B. Sebastian Fitzek: Lässt die Finger von Amazon und ähnlichen Portalen, um sich selbst zu schützen – und um dadurch vielleicht wirklich irgendwann eine völlige Negativkritik-Immunität zu entwickeln. 

Fazit:
Wer vom Schreiben leben will, weiß, dass er nicht hier auf der Erde ist, um die eigenen Geschichten den Spinnen an der Wand zu erzählen. Er spürt, dass etwas ihn lockt, ruft und leitet, damit seine Botschaften von vielen, vielen Menschen gehört werden – eine Berufung eben. Hörst du diesen Ruf? Dann schau gerne mal in meine FAQ. Dort gibt es auch Buchtipps für angehende Autoren. 

Ganz viel Erfolg beim Schreiben wünscht dir Kinderbuchautorin Sandra Schindler.  

Sandra Schindler schreibt herzorientierte, spirituelle Kinder- und Jugendbücher. Bisher gibt es zwei Bücher von ihr auf dem Markt: „Der kleine Milchvampir“ hilft Langzeitstillmüttern, sanft und bedürfnisorientiert abzustillen, und „Flim Pinguin im Kindergarten“ soll trennungsangstgeplagten Kindergartenneulingen den Kindergartenstart erleichtern. 2018 hat Sandra außerdem einen Podcast und einen YouTube-Kanal gestartet, in dem sie sporadisch über schreibrelevante, aber auch spirituelle Themen spricht. Sandra schreibt außerdem einmal im Monat einen Newsletter für bedürfnisorientierte, alternative, spirituell interessierte Eltern und alle anderen, die Kinder und Bücher lieben. Mehr über Sandra und ihre aktuellen Projekte findest du hier.

 

Porträt Silvia Schröer (Lektorin und Autorin)

Erzähl doch mal: Wer bist du und wer gehört alles zu deiner Familie?

Ich bin Lektorin, Übersetzerin und Autorin und meine Leidenschaft sind Kinder- und Jugendbücher. Ich lebe in einem Männerhaushalt mit Ehemann und vier Söhnen in Heidelberg.

Was macht eigentlich eine Lektorin genau?

Eine Lektorin arbeitet mit Autoren an ihren Geschichten und versucht, das Bestmögliche aus ihnen herauszuholen. Das kann reichen von der ersten Idee, über die Entwicklung eines Plots oder eines Konzepts bis hin zu Faktencheck und Rechtschreibkorrektur. Bei Kinder- und Jugendbüchern achte ich zudem darauf, dass der Stil zur Zielgruppe passt.

Seit wann arbeitest du selbständig und (seit wann) kannst du davon leben?

Während meiner Elternzeit(en) habe ich hin und wieder Projekte für den Verlag betreut, bei dem ich in Vollzeit angestellt war. Da konnte ich schon mal ausprobieren, wie es sich mit freier Zeiteinteilung und von zu Hause aus arbeiten lässt. Der Schritt in die Selbstständigkeit war dann nicht mehr so aufregend. Da Halbtagsstellen in Verlagen rar gesät sind und ich mir nicht vorstellen konnte, mit den kleinen Kindern ganztags zu arbeiten, war die Selbstständigkeit die naheliegende Konsequenz. Offiziell selbstständig bin ich jetzt seit drei Jahren. Nach einem Jahr Anlaufzeit hatte ich mein Umsatzziel erreicht und die Kleinunternehmer verlassen. Ich könnte von meinem Verdienst zwar keine Familie ernähren, aber meinen Beitrag zum Familieneinkommen leiste ich.

Welcher Fehler passieren häufig Selbständigen aus der Literatur- und Kreativwirtschaft?

Man verkalkuliert sich leicht in seinem Zeitmanagement, finde ich. Gerade zu Beginn der Selbstständigkeit, wenn man noch glaubt, jedes Projekt annehmen zu müssen, weil man nicht weiß, ob und wann noch etwas nachkommt. Ich würde jedem raten zu einer Gründungsberatung zu gehen. In meinem Fall wurde mir dort vorgerechnet, wie viele Arbeitsstunden pro Jahr mir effektiv (also abzüglich Buchhaltung, Akquise, Ferien, Krankheitstage etc. ) für Arbeit am Text zur Verfügung stehen. Das hat mir die Augen geöffnet. Und auch in punkto Buchhaltung, Umsatzsteuer und Ähnlichem war ich für die vielen Tipps dankbar.

Wie baut man sich ein berufliches Netzwerk auf?

Da ich viele Jahre im Verlagswesen gearbeitet habe, bin ich mit einem breit aufgestellten Netzwerk in meine Freiberuflichkeit gestartet. Trotzdem würde ich jedem raten, der sich in der Buchbranche selbstständig machen möchte, Fortbildungen zu besuchen und den einschlägigen Verbänden beizutreten.

Wie lebst und organisierst du die Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Worin liegen die größten Herausforderungen?

Vormittags, wenn die Kinder in der Schule sind, arbeite ich. Wenn sie nach Hause kommen, schalte ich den Computer aus und bin nur für sie da. Ich versuche Job und Kinder strikt zu trennen. Nicht immer einfach, wenn man von zu Hause arbeitet. Ich gebe aber z.B. meine private Telefonnummer nicht an Autoren heraus. Und wenn das Bürotelefon am Nachmittag klingelt, geht eben der Anrufbeantworter dran. Ich hatte noch nie einen Fall, der nicht auch hatte bis zum nächsten Tag warten können. Andersherum gilt das aber auch. Am Vormittag ist der Anrufbeantworter für den privaten Anschluss zuständig.

Außerdem muss man seine Arbeitszeit gegen Nachbarn, Freunde und Schule verteidigen. Gerne wird man für alle möglichen Hilfsdienste angesprochen, weil man ja „eh“ zu Hause ist. Das passiert auch beim eigenen Ehepartner. Kinderarzt-, Werkstatt- und ähnliche Vormittagstermine bleiben meistens an mir hängen. Diese Zeiten hole ich dann schon mal am Wochenende nach, wenn mein Mann da ist und auf die Kinder aufpassen kann.

Welches Buch kannst du uns unbedingt empfehlen?

„Die Ehefrau“ von Meg Wolitzer, denn hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau, die seinen Erfolg erst möglich macht. In diesem Fall mit besonderem Twist.

Und für die Kleinen passend zur Weihnachtszeit natürlich mein eigenes Buch: „Der kleine Hirte und das Weihnachtswunder“.

Welchen Tipp hast du an Eltern, die sich selbständig machen wollen?

Geregelte Arbeitszeiten auch zu Hause. Ginge man ins Büro, könnte man auch nicht noch nebenher die Wäsche waschen und den Frühstückstisch abräumen. Wenn die Kinder aus dem Haus gehen, lasse ich alles stehen und liegen, gehe in mein Arbeitszimmer und mache die Tür zu. Ich komme erst wieder heraus, wenn es an der Haustür klingelt und die ersten Kinder nach Hause kommen. Dann beginnt der zweite Teil meines Tages und erst dann fange ich an, die Küche aufzuräumen. Hilfreich ist auch ein Pool aus Babysittern, die einspringen können, wenn Not am Mann ist. Ansonsten: Genießt eure Flexibilität und geht zum Schulsportfest. Kein Arbeitgeber kann euch da reinreden.

Liebe Silvia, vielen Dank für das Interview.

Porträt Caroline Trost

Better together…“ Gründen im Team.

Das Gründen im Team hat viele Vorteile. Gemeinsam lässt sich mehr bewegen. Im Idealfall ergänzen die Gründungsmitglieder ihre Kompetenzen. Worauf es ankommt und welche Herausforderungen damit verbunden sind, davon berichtet uns Caroline Trost, die sich 2018 im Team mit 2 Frauen mit LOOQ GmbH selbständig gemacht hat.

ERZÄHL MAL
Wer bist du? Was machst du beruflich? Wer gehört alles zu deiner Familie?

Mein Name ist Caroline Trost, ich bin verheiratet und habe einen 12jährigen Sohn – und seit ca. drei Jahren gehört noch eine Mischlingshündin zur Familie.

Aber das sind natürlich nur die trockenen Basics und beschreibt nicht wirklich mich. Die berufliche Seite von mir ist, dass ich zurzeit Gründerin einer GmbH bin, die ab dem kommenden Jahr Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland vermittelt. Ich bin dabei nicht allein, sondern gründe mit zwei Partnerinnen. Wir haben alle drei einen unterschiedlichen beruflichen Hintergrund, was die Sache so spannend, aber letztlich auch machbar macht. Ich bin „gelernte“ Juristin und habe fünf Jahre als Anwältin gearbeitet, bis ich in eine Firma gewechselt bin, bei der ich zunächst Leiterin eines operativen Bereiches war. Nach einem Jahr Elternzeit hatte ich das Glück, dass ich verständnisvolle Chefs hatte, die es mir ermöglicht haben, mich in Teilzeit im Bereich Qualitätsmanagement weiter zu qualifizieren und mich im Projektmanagement zu zertifizieren. Vor zwei Jahren habe ich in dieser Firma aufgehört und mich selbständig gemacht.

Was auch noch zu mir gehört: Sport hat in meinem Leben immer einen breiten Raum eingenommen. Ich habe selbst verschiedene Sportarten ausgeübt, aber mein Herz gehört/e der Leichtathletik. Als in dem Ort, aus dem ich komme, eine Leichtathletikabteilung gegründet wurde, war ich gleich mit dabei und bin früh in die Trainer-„Laufbahn“ eingestiegen. Wir hatten das Glück, einige talentierte Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg zu nationalen sportlichen Erfolgen begleiten zu können. Auch wenn das Studium dadurch etwas länger gedauert hat, war es sicher keine vergeudete Zeit. Es hat viel Spaß gemacht, mich aber auch gut auf den beruflichen Alltag, die Leitung von Teams, die Planung und Verfolgung von Zielen etc. vorbereitet. Aber auch da hat die Elternzeit einen Cut gesetzt, der letztlich wieder Raum für Neues bot. Mein Sohn hat vor knapp drei Jahren angefangen, Rugby zu spielen. Und wie das manchmal so ist, erkennen Andere, dass man zu etwas bereit ist, das man selbst nie angehen würde: so bin ich jetzt seit zwei Jahren Jugendwartin im Rugbyverein meines Sohnes ;-))).

SELBSTÄNDIGKEIT
Wie war dein Weg zur Selbständigkeit?

Selbständig zu sein, war, glaube ich, schon lange ein Wunsch, dem ich aber nicht so richtig nachgegangen bin. Als sich in der alten Stelle jedoch ein grundlegender Wechsel auf Führungsebene abzeichnete, habe ich diesen Gedanken letztlich in die Tat umgesetzt. Zunächst in der Vorstellung, meine bisherige Tätigkeit im Qualitäts- und Projektmanagement als Beraterin nun selbständig auszuführen. Im Laufe des ersten Jahres meiner Selbständigkeit und durch ein Projekt, das ich mit einer Freundin zusammen gemacht habe, bin ich auf die Idee mit der Fachkräftevermittlung gekommen. Ich habe diese und noch eine andere Freundin angesprochen und wir haben uns seit Anfang dieses Jahres mit der Umsetzung der Gründungsidee beschäftigt.

Ihr habt dieses Jahr die Firma LOOQ GmbH gegründet. Kannst du uns kurz den Prozess der Firmengründung beschreiben; wie ihr die Rechtsform für euch gefunden habt und wofür der Name steht?

Während die Rechtsform kein Problem war, haben wir uns mit dem Namen echt schwer getan. Aufgrund der Tatsache, dass uns klar war, dass wir in eine Datenbank und in die Strukturen Geld investieren müssen, kam eigentlich nur die GmbH in Frage. Bei der Namenssuche saßen wir bereits im Januar zusammen und haben überlegt. Wir wollten einen prägnanten Namen und hatten viele Kriterien, was wir mit dem Namen verbinden wollten und welche Wirkung er haben sollte. Ich nenne lieber keine Beispiele für unsere kreativen Ergüsse ;-)))

Doch auch bei den seriöseren Ergebnissen hat jedes Mal der Blick auf die Domain-Seite die Ernüchterung gebracht – alles schon vergeben und/oder sehr teuer. Wir waren echt frustriert, haben das Thema ein bisschen liegen lassen und sind in der zweiten Runde schließlich bei „CHinG“ gelandet – einer Abkürzung für „Chances in Germany“. Wunderbar – Name war gesetzt. Wir sind damit zu Caroline Pöll gegangen, die uns das Logo designen sollte, und zu einem Markenrechtler wegen der Eintragung des Namens als Marke. Aber der hat ernste Bedenken angemeldet. Das war fünf Tage vor dem Notartermin, bei der man natürlich einen Namen für seine Gesellschaft braucht. Power-Brainstorming übers Wochenende war angesagt und das Ergebnis lautet: LOOQ – Look for Quality Jobs. Daher das „Q“ am Ende. Der Markenrechtler hat genickt und Caroline Pöll hat ein schönes Logo entworfen!

Welche Vorteile hat Teamwork und worin liegen deiner Ansicht nach die Herausforderungen?

Natürlich liegt auf der Hand, dass Teamwork genau diesen bereichernden Moment hat, den man braucht, um etwas noch besser zu machen oder um eine Lösung – oder einen Namen – zu finden. Wir ergänzen uns von unseren Ausbildungen und beruflichen Erfahrungen, aber auch in den Erwartungshaltungen an die Selbständigkeit. Das schafft eine breite Basis des Verständnisses, die wir schon gut brauchen konnten, als es um die Zusammenarbeit mit einem potentiellen Kooperationspartner ging. Und es hilft natürlich, die Tätigkeiten aufzuteilen und Zuständigkeiten festzulegen. Aber natürlich heißt Teamwork auch, dass man sich zu grundlegenden Themen wirklich abstimmen muss. Es hat darüber hinaus den profanen Aspekt, dass man eine technische Lösung finden muss, wie man Wissen und Dokumente teilt. Um so wichtiger, wenn man den Vorteil des Homeoffices für die Vereinbarkeit nutzen möchte.

Was ist für dich Vereinbarkeit von Beruf und Familie und wie lebst und organisierst du sie? Wie sieht die Rollenverteilung in Deiner Familie aus? Wie sieht Dein typischer Alltag aus? Was ist deine größte Herausforderung?

Ja, Vereinbarkeit – ein großes Thema. In meiner alten Firma habe ich die Arbeitsgruppe Vereinbarkeit von Beruf und Familie geleitet. Und bin dadurch auch auf Aline Moser getroffen, die ich schon aus einem Projekt kannte, an dem wir beide Jahre zuvor teilgenommen hatten.

In Zusammenarbeit mit den HDD konnten wir in der Firma einige Leistungen und Möglichkeiten für die Beschäftigten etablieren, um eine bessere Vereinbarkeit zu ermöglichen. Letztlich war das aber nur möglich, weil die damalige Geschäftsleitung dies unterstützt hat. Andererseits haben wir auch erfahren müssen, dass der Wunsch nach bestimmten Maßnahmen und das tatsächliche Annehmen der Angebote durch die Mitarbeiter*innen zum Teil weit auseinander gedriftet sind. Schließlich hängt aus meiner Erfahrung das ganze Thema in Firmen immer vom Willen der Geschäftsführung und der direkten Vorgesetzten ab. In vielen Fällen sind es nur „Böhmische Dörfer“, die man sich zwar gerne aus Imagegründen auf die Fahne schreibt, aber – wenn überhaupt – nur wenig leben will.

Und wie lebe ich Vereinbarkeit? Privat und mittlerweile als Selbständige?

Nach außen sah und sieht die Rollenverteilung meiner Familie klassisch aus: Mann arbeitet viel, Frau arbeitet in (selbständiger) Teilzeit und kümmert sich um Kind und Haushalt. Tatsächlich bin ich hin und her gerissen. Einerseits konnte ich mir nicht vorstellen, nach der Geburt unseres Sohnes gleich wieder und/oder in Vollzeit in den Beruf zurück zu kehren. Ich bin erst mit 40 Mutter geworden und war sehr froh, dass es überhaupt noch geklappt hat. Aber es war für mich in der Elternzeit auch eine ernüchternde Erkenntnis, dass ich mitten aus einem anspruchsvollen Berufsalltag plötzlich nur noch gefragt wurde, ob mein Sohn schon durchschläft oder ob er schon dieses oder jenes kann. So habe ich nach der Anfangseuphorie etwas mit meiner gewollten und erträumten „Nur“-Mutterrolle gehadert.

Während mein Mann und ich uns vor der Geburt unseres Sohnes die Aufgaben im Haushalt geteilt haben, hat sich das danach ganz schnell verschoben. Mein Mann hat voll weiter gearbeitet und wie das klassischer Weise oft ist, genau in dieser Zeit entscheidende Schritte in seinem beruflichen Leben gemacht. Und ich saß da. Zumindest habe ich das so empfunden. Der Wiedereinstieg in Teilzeit hat das relativiert und für mich auch die Grenzen meiner zeitlichen Belastung aufgezeigt. Natürlich immer dann, wenn es nicht wie am Schnürchen lief – Kind krank, wichtiger Termin steht an, Mann nicht da. Zum Glück hatte ich meine Eltern im Hintergrund, aber trotzdem musste alles erst mal organisiert werden.

Jetzt, wo unser Sohn einigermaßen selbständig ist und alleine bleiben kann und immer öfter auch will, kann ich zurückblickend sagen, dass sich unser Modell in der idealen Vereinbarkeitswelt sicher als total reaktionäre Katastrophe darstellt. Dass ich aber aufgrund der langen ungewollten Kinderlosigkeit selbst die Tür zu diesem Modell aufgemacht habe, worüber ich im Nachhinein nicht wirklich unglücklich bin.

 AUS DEM NÄHKÄSTCHEN
Welche Tipps hast du für Eltern, die sich im Teamselbständig machen wollen?

 Das finde ich immer sehr schwierig: anderen Menschen pauschale Ratschläge zu geben. Natürlich spielt eine Rolle, wie groß die Familie ist, wie viele Kinder, in welchem Alter und wie umfangreich die Selbständigkeit werden soll. Teilzeit, Vollzeit? Wie stark ist die Familie von der Selbständigkeit finanziell abhängig? Wie gut kann der Partner oder das Netzwerk an Familie und Freunden in Stresssituationen z.B. durch Übernahme der Kinder für Entschärfung sorgen? Aus meiner Sicht sehr wichtige Punkte, die man zumindest überlegt und besprochen haben sollte, auch wenn die Erfahrung zeigt, dass es nicht immer so kommt, wie man denkt.

Aber Zeit ist tatsächlich ein zentrales Thema, da Selbständigkeit häufig mit sich bringt, dass die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit fließend werden. Was man anfangs als toll empfindet, kann leicht zur Falle werden. Das Gefühl, dass da immer noch etwas ist, was man erledigen müsste, kann zu einem zusätzlichen Stressfaktor in der Familie werden. Dagegen gibt es aus meiner Sicht aber kein wirkliches Rezept – außer Kommunikation mit dem Partner und Verständnis. Aber auch wirkliche Kommunikation braucht Zeit – und da beißt sich die Katze in den Schwanz…

Vielen Dank, liebe Caroline, für diese Einblicke. Und danke Dir für Dein Engagement bei den Parentrepreneurs.

Porträt Petra Lupp mit Tochter Laura

ERZÄHLT DOCH MAL…
Wer seid ihr? Was macht ihr? 

Petra Lupp: Seit 2001 bin ich PR-Managerin in der Küchenbranche zudem Reisejournalistin, betreibe seit 2012 das Onlineportal Lebensdomizile weltweit und 2015 wurde ich zudem Buchautorin für Wohnmobiltouren und -Infobücher. Ich bin 48 Jahre und zu meinem engsten Familienkreis gehören mein Mann Martin und meine bald 18jährige Tochter Laura, die seit 2010 gemeinsam von mir und meinem Exmann im Wechselmodell betreut aufgewachsen ist.

Laura: Ich mache mein Fachabitur Richtung Soziale Arbeit und plane ein Studium in diese Richtung.

SELBSTÄNDIGKEIT
Petra, warum bist du selbstständig? Gab es einen Anlass und wie war der Weg zur Gründung? Was war zuerst da: Familie oder Selbständigkeit?

„Das dritte Unternehmen, das ich aufbaue ist mein eigenes!“ Den Wunsch nach der Selbständigkeit gab es schon länger, da ich zuvor zwei Unternehmen im Angestelltenverhältnis mit aufgebaut habe. Kurz nach der Geburt meiner Tochter bekam ich ein interessantes Angebot, das ich jedoch aufgrund meiner Verkaufsleitertätigkeit in der Küchenbranche so nicht annehmen konnte. Dies war der Startpunkt meiner Selbständigkeit, direkt raus aus dem Angestelltenverhältnis rein in die Selbständigkeit und los. Verständlicherweise bin ich mit meiner Presseagentur bis heute in der mir bekannten Branche geblieben.

Laura, wie war es für dich als Kind, eine freiberufliche Mutter zu haben?

Ich bin damit aufgewachsen, dass meine Mutter morgens hoch in ihr Büro geht und dort arbeitet oder ab und zu unterwegs ist. Trotzdem war sie meistens da, wenn ich heimkam, da ihr Arbeitsweg nur die Treppen runter im Haus ging. Die Selbständigkeit spiegelt sich in ihrer Flexibilität wider, die sie hat, um ihre Arbeitszeiten selbst einteilen zu können. Manchmal nehmen wir nach dem Mittagessen Termine wahr und kommen nachmittags nach 2-3 Stunden heim. Danach geht sie wieder arbeiten. Das wäre nicht der Fall, wenn sie geregelte Arbeitszeiten hätten, an die sie sich in einer Firma halten müsse.

VEREINBARKEIT UND ALLTÄGLICHE HERAUSFORDERUNGEN
Was ist für dich Vereinbarkeit von Beruf und Familie? 

Petra: Da ich mittlerweile auf 17 Jahre Selbständigkeit und eine fast volljährige Tochter zurückblicken kann, haben sich Organisation und typischer Alltag innerhalb der Familie im Laufe der Zeit natürlich verändert und den Lebensbedingungen angepasst. So lagen meine Hauptarbeitszeiten für Arbeiten die Ruhe benötigen in der Baby- und Kleinkindphase früh morgens, während der Mittagsschlafzeit, abends, wenn der Vater nachhause kam und am Wochenende. Außerdem gab es an zwei festen Tagen pro Woche den Oma/Opa-Tag, von morgens um 8 bis Abends um 19 Uhr. In diese Zeit legte ich verbindliche Geschäftstermine oder arbeitete einfach am Stück für meine Kunden.

Mit der Betreuung durch den Ganztagskindergarten und der danach folgenden Grundschule im Konzept einer Ganztagsschule mit Nachmittagsbetreuung bis 16 Uhr und AGs von Montag bis Donnerstag lief alles wunderbar. Laura war unter Kindern und ich konzentrierte mich auf die Arbeit und danach auf Qualitätszeit mit Laura. Messe- und Geschäftstermine sowie eine mehrmonatige Weiterbildung zur IHK Fachkraft für Tagungs-, Kongress- und Messewirtschaft organisierte ich in Absprache mit Oma/Opa und – für mich ebenfalls selbstverständlich –  musste/durfte auch der Vater einspringen. Übrigens: Das Arbeiten im Homeoffice als Frau und Mutter war in dieser Zeit nicht für alle selbstverständlich, viele Mütter blieben einfach zuhause und kümmerten sich um die Betreuung der Kinder, besuchten Krabbelgruppen, Babyschwimmen und schauten mich durchaus schief an. In die Grundschulzeit fielen auch Trennung und Scheidung. Doch wir sind immer Eltern geblieben und kümmerten uns gemeinsam und in Absprache weiterhin um alle Belange der Erziehung. Dies mündete 2010 dann auch in der Vereinbarung, die Betreuung vom Residenzmodell zum Wechselmodell zu ändern, zum Wohl aller Beteiligter. Immer wieder mittwochs zog Laura mit Kleidung und Schulsachen anfangs gerademal 300 m um, später waren es dann ein paar Kilometer. Freunde, Schule, Umfeld – alles blieb erhalten und vor allem, auch wir als Eltern waren stets greifbar und in den Alltag eingebunden.

Für mich änderte sich die Möglichkeit, mehr zeit- und ortsunabhängig zu arbeiten was ich auch tat. Mit Gründung des Onlineportals Lebensdomizile weltweit hielt das „leben, arbeiten und reisen, überall und unterwegs“ noch mehr Einzug in mein Leben. Gemeinsam mit meinem heutigen Ehemann bereise ich seitdem interessante Länder.  Wir sind mittlerweile insgesamt 4-5 Monate pro Jahr auf Presse- und Recherchetouren unterwegs, während ich parallel auch für die Kunden meiner Presseagentur tätig bin. Denn um die Betreuung von Laura musste ich mir nie Gedanken machen, sie war bestens aufgehoben bei ihrem Vater.

Laura: In meiner Kindheit war es eher die Ausnahme, dass die Mütter selbständig waren. Ich hatte keinen Freund oder keine Freundin, deren Mütter selbständig waren. Berufstätig waren die meisten. Für mich als Kind damals war es nichts Besonderes, da meine Mama einfach arbeitet, natürlich nicht irgendwo, sondern zuhause. Rückblickend fallen mir viele Momente ein, in denen es vorteilhaft war, dass meine Mutter selbständig ist.

Was sind die Vor- und Nachteile aus deiner Sicht Laura?

Ein Vorteil ist, dass man die Zeit so einteilen kann um sich auf sein Kind zu konzentrieren und trotzdem die Arbeit zu machen. An einen Nachteil in meiner Kindheit kann ich mich bei näheren überlegen nicht erinnern.

DIE LIEBE ZEIT – Petra, welche Rolle spielt Zeit für Dich? 

Zeit für mich? Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Schließlich habe ich im Laufe der Jahre mit dem Reisen mein Hobby zum Beruf gemacht, kann dies sogar 24/7 mit meinem Mann gemeinsam erleben. Dadurch ist Zeit natürlich relativ zu sehen. Wichtig ist mir, wenn ich zuhause bin bzw. im Homeoffice arbeite, mein Espresso nach dem von mir selbst gekochten Mittagessen, ein Buch zu lesen oder auch die einstündige Thaimassage, die ich mir gerne gönne. Im Alltag unterwegs ist es für mich wichtig, in Ruhe zu frühstücken und dann den Tag neugierig in einer fremden wie interessanten Umgebung zu beginnen und kennen zu lernen.

AUS DEM NÄHKÄSTCHEN
Petra, welche Tipps hast du für Eltern, die sich selbständig machen wollen? Oder an Selbständige, die Eltern werden?

Offene Gespräche und ehrliche, am besten schriftlich fixierte Absprachen für Selbständigkeit und Elternschaft sind für mich eine Grundvoraussetzung.  Bleibt einer im Angestelltenverhältnis ist es oft schwer nachvollziehbar, was an der Selbständigkeit so anders sein soll. Insbesondere, wenn das Business keine klassischen Arbeitszeiten zwischen 8 und 16 Uhr kennt oder im Homeoffice, also gefühlt neben Küche und Waschmaschine stattfindet. Persönliche Bedürfnisse und Wünsche zu äußern ist außerdem wichtig, um sich auch als Paar nicht zu verlieren.

Auf jeden Fall sollten beide Elternteile in Alltag und Geldverdienen, in Betreuung und Job eingebunden sein. Mittlerweile gibt es viele Erleichterungen bei der Betreuung. Auch die Akzeptanz, dass Väter die Arbeitszeit reduzieren und sich um die Kinderbetreuung aktiv kümmern ist größer geworden.

Ein Tipp an die oft gut ausgebildeten Frauen und Mütter: Redet laut und verständlich, argumentiert eure Bedürfnisse, wie wichtig euer Job, euer Business ist! Macht klar, dass eure Selbständigkeit keinesfalls hinter dem Beruf des Mannes ansteht, sondern aktiv zum Familieneinkommen beiträgt. Spätestens – was nie jemand hofft, aber trotzdem möglich ist – bei einer Scheidung oder hinsichtlich des Rentenalters seid ihr froh, finanziell unabhängig auf eigenen Beinen zu stehen. Wenn ihr euch ebenso selbstverständlich die Betreuung der Kinder mit dem anderen Elternteil dann im Wechselmodell teilt, wird eine Trennung weder zum finanziellen noch zum betreuungstechnischen Supergau, sondern zum organisierbaren Lebensabschnitt, aus dem alle Beteiligten als Gewinner gehen können.

Laura, hast du schon eine Vorstellung, wie Du Familie leben möchtest? Ist Vereinbarkeit in deiner Generation ein Thema?

Wenn Ich in die Zukunft schaue möchte ich auf keinen Fall nach der Geburt von Kindern nur noch zuhause sein und meine Karriere hinter mir lassen. Dafür hätte ich kein Fachabitur machen müssen und auch später nicht studieren. Ich wünsche mir ein ausgeglichenes Familienleben, bei dem man Job und Familie trennen kann, aber ich mich trotzdem mit dem gleichen Elan auf beides zur entsprechenden Zeit, konzentrieren kann.

In der Schule und auch im Freundeskreis haben wir das Thema Vereinbarkeit von Arbeit und Familie schon mal angesprochen, aber Relevanz hat es in unseren Leben noch nicht.

Vielen Dank für Eure Bereitschaft, Euch für das Porträt zur Verfügung zu stellen!

Porträt Wencke Gutreise (Gesundheitscoach)

Selbständig ja, Kinder noch keine – warum Diplom-Psychologin Wencke Gutreise trotzdem hervorragend in unsere Porträtserie passt, welche Veränderungen bei ihr anstehen, was sich hinter IDEAL IST ICH verbirgt und was sie Selbständigen und Eltern gleichermaßen mit auf den Weg gibt, lest ihr im folgenden Interview. Und wenn ihr sie live erleben wollt – beim nächsten parentrepreneurs-Netzwerktreffen am 6. Juli im D16 in Heidelberg, gibt sie von 10 bis 12 Uhr Tipps und Einblicke, wie Sport, Meditation und Psychologie zu mehr Balance im Alltag führen.

Als erstes ein paar Fragen zu Dir: Wer bist du? Was machst du beruflich? Wer gehört alles zu deiner Familie?

Wer ich bin? Hm, das ist eine spannende Frage: Ich wäre gerne eine Fee, die glitzernde Leichtigkeit und Liebe versprüht. Da ich allerdings als Mensch geboren wurde, versuche ich meinem Feen-Wunsch so nahe wie möglich zu kommen und bin unter anderem daran interessiert, das Leben und die Liebe in meinem Leben willkommen zu heißen und anderen Wesen liebevoll zu begegnen. Das heißt, mich interessieren Themen, die das Leben des Einzelnen (meines natürlich inbegriffen) und uns als Gemeinschaft oder Gesellschaft erleichtern.

Für mein Leben sind Sport, Meditation, Ausflüge in die Natur und der Austausch mit anderen Menschen die Aspekte, die mein Leben bereichern.

Beruflich unterstütze ich Menschen dabei, liebevoll mit sich und anderen umzugehen und Raum für ihre Ideale in ihr Leben zu integrieren. Ich schaue mir an, welche Ideale die Menschen haben und helfe dabei, den Alltag Stück für Stück daran anzupassen. Das ist recht vielseitig und führt unweigerlich zu Themen wie Kommunikation, Gesundheit, Zeitmanagement, Motivation, Abgrenzung und innere Haltung bzw. Selbstwertfragen.

Zu meiner Familie gehören mein liebevoller wunderbarer Mann, der mich nicht nur darin unterstützt, dass er nach der Arbeit für mich kocht, sondern der mir auch organisatorisch immer wieder das ein oder andere abnimmt oder mit mir optimiert. Meine Eltern, die mich schon mein ganzes Leben in allem, was ich mache unterstützen, beraten und auch mal konstruktiv kritisieren. Mein Bruder mit seiner zauberhaften Frau und deren kleine lebensfrohe Tochter. Meine beste Freundin und meine Schwiegerfamilie gehören ebenso zu meiner Familie und der alte Pudel meiner Eltern.

Warum bist du selbstständig? Gab es einen Anlass? Wie war dein beruflicher Werdegang?

Ich bin selbstständig, da ich es sehr schätze, mir meine Zeit selbst einteilen und die Prioritäten selbst setzen zu können. Ich empfand es im Angestelltendasein oft als lästig, manchmal Zeit absitzen zu müssen, wenn gerade Leerlauf war und dann Überstunden zu machen, wenn mal mehr Arbeit als Arbeitszeit vorhanden war. Jetzt finde ich es viel angenehmer, die Leerlaufzeiten auch als solche nutzen zu können. Mein beruflicher Werdegang war recht straight. Ich habe nach dem Abitur Psychologie studiert und mir während des Studiums meine Brötchen in der Säuglingsforschung verdient. Nach dem Studium habe ich ein paar Jahre in der neuropsychologischen Forschung gearbeitet und in Projekten gearbeitet, die sich mit Depression, Stress und der Auswirkung auf die Hirnfunktion beschäftigten und damit, wie sich gesundes Altern im Gehirn auswirkt, wenn man das Kurzzeitgedächtnis oder das Langzeitgedächtnis beansprucht und welche Hirnareale sich in der Funktion aber auch in der Struktur verändern. Daneben habe ich die 5-jährige Weiterbildung zur Verhaltenstherapeutin absolviert und mit dem Staatsexamen beendet. Kurz danach bekam ich die Möglichkeit als Schwangerschaftsvertretung in einer ambulanten Praxis zu arbeiten. Das war ein wenig so, als wäre es meine Praxis, nur, dass es nicht meine war. Und nach 3 Jahren habe ich mich dann in meiner eigenen Praxis niedergelassen.

Da es mir fehlte, präventiv zu arbeiten und ich die positiven Effekte von Bewegung und Sport auf die Psyche nicht wirklich in meine Arbeit integrieren konnte, habe ich im April 2017 noch ein Kleinunternehmen mit dem Namen IDEAL IST ICH gegründet. Mit  IDEAL IST ICH  habe ich die Möglichkeit, Sport, Meditation und Psychologie zu kombinieren. Ich hatte das Glück, rasch von zwei größeren Unternehmen für Gesundheitsworkshops gebucht zu werden und entdeckte, wie viel Spaß es mir macht, Workshops zu geben und präventiv zu arbeiten.
Schnell kamen mir noch weiter Workshop-Ideen, die umgesetzt werden wollen. Mit der Arbeit in der eigenen Praxis merkte ich allerdings, dass die Zeit zu begrenzt war, um mich beidem zu widmen. So habe ich Ende 2017 den Entschluss gefasst, meinem Herzen zu folgen, die Praxis abzugeben. Ab Juli 2018 werde ich mich voll auf mein kleines Unternehmen und meine neuen Ideen zu konzentrieren. Schauen wir mal, wohin mich das führen wird.

Auch wenn Du noch keine Kinder hast: Was ist für dich Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Ich habe großes Glück und einen wunderbaren Mann, der mich unterstützt, mir in arbeitsintensiveren Phasen auch mehr im Haushalt abnimmt, damit unterm Strich mehr Zeit für uns beide und den Rest der Familie bleibt und mit den Wellen, die das Leben als Selbstständige so mit sich bringt, mit geht. Das ist wirklich hilfreich, dass er so flexibel mitzieht und ebenso kann ich auf den Rest meiner Familie bauen.

Davon abgesehen habe ich regelmäßig fixe Uhrzeiten, ab wann ich sozusagen offline bin und meinen Fokus auf mein Privatleben richte. Gerade als Freiberufler und vor allem in der Startphase gleicht die To-Do-Liste einer Hydra: Gefühlt folgen jeder erledigten Aufgabe sieben neue. So kann es leicht passieren, dass man aus der Balance kommt und das Familienleben leidet. Regelmäßige Auszeiten und Absprachen, wer wann was erledigt sind da Gold wert und das Vertrauen, dass Absprachen auch eingehalten werden bzw. dass man im Notfall auch improvisieren kann. Für mich ist diese genannte Auszeit wichtig und wenn ich sie vergesse, erinnert mich meine Familie liebevoll daran. Aber auch das Vertrauen, dass schon irgendwie alles klappen wird, bringt mich immer wieder auf den Teppich zurück.

Welche Tipps hast du für Eltern, die sich selbständig machen wollen? Oder an Selbständige, die Eltern werden?

Aus der Erfahrung meiner bisherigen therapeutischen Arbeit kann ich folgende Tipps geben:

  • Trefft Euch mit anderen Eltern und redet offen miteinander – oft denken Eltern, sie hätten ganz alleine gewisse Sorgen oder Schwierigkeiten. In der Realität allerdings sind das meist Themen, die bei sehr vielen jungen Eltern aufkommen.
  • Gönnt Euch regelmäßige kinderfreie Zeiten nur für Euch oder mit dem Partner und widmet Euch ab und an mal ein paar Momente, in denen es weder um die Kinder noch um die Arbeit geht.
  • Seid milde mit Euch. Das Elterndasein macht vielen ganz deutlich, wie sehr wir im Leben doch stets und ständig dazu lernen und besonders Erfahrung uns Sicherheit gibt. Die Erfahrung allerdings fehlt werdenden Eltern und auch selbstständigen Startups. Das heißt, es kann für beide Bereiche hilfreich sein, sich einzugestehen, dass man „Azubi“ ist und eben erst gewisse Erfahrungen sammelt. Oft erwarten sowohl Eltern als auch Selbstständige von sich, dass sie sofort meisterhaft zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten sämtliche Aufgaben meistern, was auf Dauer einen riesigen Druck aufbauen kann und kaum zu Zufriedenheit führen kann, da in beiden Bereichen immer mal wieder das Prinzip „Versuch und Irrtum“ abläuft und aus Fehlern gelernt wird. Ist der Druck und die Erwartung an die eigene Leistung in beiden Fällen einzeln oder gleichzeitig hoch, besteht die Gefahr, sich zu überfordern, was sowohl für Körper als auch Psyche und die Familie nicht hilfreich ist und schnell in einen Teufelskreis führen kann.

Ich denke, es ist wichtig, sich sowohl für den Bereich Familie als auch für den Bereich „Arbeit“ eine gewisse Fehlertoleranz einzuräumen und ein großes Maß darauf zu vertrauen, dass selbst bei einem Irrtum die Welt nicht untergeht.

Ebenso wichtig kann es sein, sich die Erlaubnis zu geben, um Hilfe zu bitten, sei es um Hilfe bei der Kinderbetreuung oder bei der Bewältigung berufsbedingter Aufgaben. Ich erlebe oft, wie sich sowohl junge Eltern als auch Selbstständige scheuen, sich von anderen helfen zu lassen und aufblühen, sobald sie in einem Bereich Unterstützung zulassen (und sei es nur, dass die Oma mal aufs Kind aufpasst, oder die Unterstützung von Kollegen bei IT-Fragen usw.).

Zusammengefasst rate ich für beide Bereiche sowohl den „Gedulds- wie auch den Gelassenheitsmuskel zu trainieren“ und die ein oder andere Erlaubnis, sich im permanenten Lernmodus zu befinden und eben nicht SOFORT ALLES RICHTIG machen zu MÜSSEN.

Die Wörter in Großbuchstaben würde ich übrigens direkt in den Giftschrank stellen, denn diese sorgen oft ordentlich für Stress – das allerdings ist ein anderes Thema;)

Danke für das Interview, liebe Wencke.

Wer weitere Tipps möchte, wie er/sie „Gelassen und fit durch den parentrepreneurs-Alltag“ kommt, der ist bei unserem nächsten Netzwerktreffen am 6. Juli 2018 von 10.00 – 12.00 Uhr im D16 richtig. Dort erläutert Wencke, wie wichtig innere Ruhe ist, um Familie und Arbeit in Einklang zu bringen und wie Pilates helfen kann, das richtige Verhältnis von Belastungsphasen und Entspannung zu finden. Nach einem kurzen Vortrag gibt es die Möglichkeit ein paar Übungen auszuprobieren.

Ab Oktober gibt es mehr Infos unter www.idealistich.de.

Porträt Sandra Pfisterer (PfiStar)

In Deutschland steigt die Zahl der Alleinerziehenden stetig an. Eine selbständige Tätigkeit kann eine gute Möglichkeit sein, den Anforderungen der Kinder gerecht zu werden und gleichzeitig den Lebensunterhalt zu verdienen. Alleinerziehende Mütter und Väter sind dabei besonders gefordert, denn sie können sich nicht immer auf familiäre Unterstützung verlassen. In unserem Blogporträt stellen wir Sandra Pfisterer vor, die eine Praxis für psychoonkologische Beratung und Hypnose hat. Seit letztem Jahr ist sie zudem Gründerin und Geschäftsführerin ihres Start-Ups „PfiStar“. Die Mutter von Bianca (7 Jahre) und Klara (13 Jahre) ist seit fünf Jahren alleinerziehend. Sie lebt nach einigen Jahren am Bodensee wieder in ihrem Heimatdorf Leutershausen, in der Nähe wohnen auch ihre Eltern und Schwiegereltern. Im letzten Jahr hat sich bei Sandra unheimlich viel getan, ihr Unternehmen „PfiStar“ wächst rasant. Unter dem Titel „Was wäre, wenn ich jetzt gehe“ bietet sie Workshops an und baut gerade ein bundesweites Netzwerk an lizenzierten Workshopleitern auf. Welche Herausforderungen sie auf ihrem Weg zu meistern hatte und noch hat, erzählt sie uns im Interview.

Wie war Dein Weg zur Selbständigkeit?

Ich habe meine Praxis für Hypnose eigentlich schon seit neun Jahren und biete seit acht Jahren auch die psychoonkologische Beratung an. Damals haben mein Ex-Mann und ich noch am Bodensee gelebt. Ich bin dann wieder in meine Heimat gezogen. Geplant war eine „Wochenend-Ehe-Phase“, bis er nachkommt, aber wir haben uns dann getrennt. Somit war ich alleine auf mich gestellt und hatte in dieser schwierigen Scheidungszeit auch keine Kraft, Krebspatienten zu beraten. Zudem musste ich ja für uns drei sorgen, und so habe ich mir wieder eine Angestelltentätigkeit gesucht, erst Vollzeit und dann die klassische Halbtagesstelle. Das Problem war: Die Kinder haben viel mehr Ferien als ich Urlaub und ich musste das ganze Jahr Überstunden machen, um die Ferien abdecken zu können. Als ich dann im Sommer 2016 gekündigt wurde, habe ich meine Selbständigkeit wieder neu geplant. Ich wollte die volle Flexibilität und war mir aber auch bewusst, dass ich damit trotzdem unseren Lebensunterhalt erwirtschaften muss. Das alles unter einen Hut zu bekommen ist anstrengend – aber für mich der richtige Weg.

Wie lebst und organisierst du die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Wie sieht Dein typischer Alltag aus?

Einen typischen Alltag hab ich nicht. Ich verbringe morgens kurze Zeit mit meinen Kindern, bis sie zu Schule gehen. Dann folgt ein „Haushaltsgalopp“, bis ich um spätestens um 9 Uhr mit meiner Arbeit beginne. Das geht dann bis mittags, wenn meine Töchter aus der Schule kommen. Für die Nachmittage plane ich Termine so, dass ich die Kinder mitnehmen kann, zum Beispiel bei Postgängen. Wenn die beiden Ferien haben, bin ich zu 100% Mama – das heißt aber nicht, dass meine Arbeit dann liegen bleibt. Ich arbeite dann auch ein paar Stunden am Tag, oft frühmorgens oder spätabends, wenn sie im Bett sind. Dazwischen unternehmen wir Ausflüge, gehen Schwimmen oder besuchen Spielplätze, und da dreht sich dann alles um meine Kinder und die Arbeit ist außen vor. Allerdings kann ich wunderbar auf einem Spielplatz Mails beantworten und netzwerken, denn die Kids brauchen mich nicht mehr zum Anschubsen beim Schaukeln.

Was sind die größten Herausforderungen als Alleinerziehende? Hast Du ein Netzwerk, das Dich unterstützt?

Das Schwierigste ist, den Kindern gerecht zu werden. Ich passe sehr auf, dass ich ihnen nicht zu viele Aufgaben aufdrücke, die man sich normalerweise mit dem Partner teilt. Sie müssen schon auch Sachen wie Geschirrspülmaschine ausräumen und Müllrausbringen, aber alles dosiert. Es ist anstrengend, allein für die Kinder da zu sein – zumal sie einen durch die Trennung noch mehr brauchen. Ich habe Unterstützung durch meine Eltern und Schwiegereltern in der Nähe, aber der Vater der Kinder wohnt am Bodensee und ist nicht einfach spontan verfügbar.

Als Alleinerziehende selbständig zu sein hat Vor- und Nachteile. Man ist natürlich flexibler und hat keine starren Arbeitszeiten wie als Angestellte. Man muss aber auch alles alleine stemmen, vom Erfolg der Selbständigkeit hängt man nicht nur selbst ab, sondern eben die ganze Familie.

Wenn Du Dir etwas für alle Alleinerziehenden wünschen könntest – was wäre das?

Was ich mir wünschen würde ist mehr Verständnis für Alleinerziehende – und dass sie auch mal „Schwäche“ zeigen dürfen. Ich höre oft „Du schaffst das schon!“ – das stimmt zwar, aber auch ich habe meine Tiefs. Und schade finde ich, dass man als Alleinerziehende bei Pärchen schnell raus ist. Ich habe keine Ahnung warum, aber man wird weniger eingeladen.

Hast du in deinem Alltag Zeit für dich?

Ich brauche Struktur und klare Abgrenzungen – wenn ich arbeite, arbeite ich und wenn ich mit den Kindern zusammen bin, dann bin ich mit ihnen zusammen. Das klappt ganz gut und ich höre mittlerweile auch auf meinen Körper und kann mir Auszeiten nehmen. Auch wenn es nur eine halbe Stunde mit einer Tasse Kaffee auf dem Balkon ist oder ich im Freibad ein paar Bahnen schwimmen kann – ich brauche diese Ich-Zeiten und kann sie auch genießen.

Welche Tipps hast du für Eltern, die sich selbständig machen wollen?

Das wichtigste, egal was ihr tut: Beide Partner müssen davon überzeugt sein. Denn gegen den Partner arbeiten ist unklug und kostet unnötig Kraft. Gründern würde ich raten, nur etwas anzugehen, von dem sie absolut überzeugt sind und für das sie brennen. Absolut empfehlen kann ich einen Mentor oder eine Mentorin. Jemand mit Erfahrung im Hintergrund erspart Umwege, verhindert das Abheben und hilft einem, den Fokus zu halten. Ich habe meinen Unterstützer eher zufällig kennengelernt, aber ich bin wirklich froh drum, ihn zu haben und er gibt mir Kraft. Falls Euch also Hilfe angeboten wird – nehmt sie an.

Liebe Sandra, wir danken dir für das Gespräch. 

 

Wirkungsvolles Netzwerken

Unter Netzwerken wird der Aufbau und die Pflege von Kontakten verstanden, im privaten wie im beruflichen Kontext. Fasst man die Definition ganz breit, netzwerkt jeder von uns jeden Tag – ob am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, im Verein oder beim Klassentreffen.

Egal ob mit oder ohne feste Struktur: Grundlage für erfolgreiches Netzwerken ist Kooperation und Geben und Nehmen. Es geht beim Netzwerken um Austausch von Wissen und Informationen, um Diskussionen, Ideen sammeln, Verständnis zeigen, Veränderungen anstoßen – und manchmal einfach auch um das Gemeinschaftsgefühl.

Sinnvoll ist es, sich über seine eigenen Ziele im Klaren zu sein. Wenn diese aber ausschließlich auf den eigenen Vorteil bedacht sind, ist das Scheitern fast vorprogrammiert. Wer stattdessen weiß, was er für das Netzwerk mitbringt, kann das aktiv anbieten.

Beziehungen schaden nur dem, der keine hat

So alltäglich Netzwerken scheint, so wichtig ist es.

„Wer Informationen teilt, hat Macht. Teilt alles mit allen. Je wertvoller Eure Informationen sind, desto besser. Wer etwas teilt, baut ein Netzwerk auf. Ein Netzwerk führt zu Zusammenarbeit, Zusammenarbeit führt zu Kreativität und Innovation – und die verändern die Welt.“ (Marissa Mayer, Yahoo)

Gerade für Selbständige kann geschicktes Netzwerken der Schlüssel zum Erfolg sein – sofern man es nicht mit aggressivem Selbstmarketing oder ziellosem Klinkenputzen verwechselt. Vielmehr basiert das „Networking“ auf dem Prinzip der Freundesfreunde, durch die man sein Beziehungsgeflecht erweitert. Was aus diesen Kontakten wird, ist meist zu Beginn auch nicht abzusehen. Oft kommt es vor, dass die Kontakte hilfreich sind, mit denen man nicht gerechnet hat.

Der Kontakt zu den „richtigen“ Leuten entsteht in den wenigstens Fällen aus reinem Zufall, sondern ist das Ergebnis einer strategischen und kontinuierlichen Netzwerkarbeit. Doch wie schafft man es, aus seinen Kontakten ein wirksames Netzwerk zu machen? Klar ist: Wer hilfreich sein kann, ist natürlich individuell sehr verschieden. Dennoch lohnt es sich, zwei Arten von Kontakten im Netzwerk zu haben: Zum einen Menschen, die ähnliches tun und vergleichbare Ziele haben. Wer auf den ersten Blick wie vermeintliche Konkurrenz wirken kann, hat oftmals dieselben Probleme – und vielleicht auch schon Lösungen oder kann mit seiner Expertise behilflich sein. Zum anderen sind Menschen, die schon dort sind, wo man hinwill, wichtig. Diese Personen besitzen eine Menge Erfahrung, man kann viel von ihnen lernen und sich bei Bedarf auch Rat holen.

Ob Off- oder Online-Netzwerke ist dabei nicht entscheidend bzw. hängt vom Umfeld und den eigenen Vorlieben ab: Beide Formen haben Ihre Vor- und Nachteile. Persönliche Treffen werden verbindlicher eingeschätzt und man kann die Kontakte ganzheitlicher wahrnehmen, virtuelle Netzwerke hingegen sind unkomplizierter und bieten eine größere Reichweite. Auch wenn es keine Faustregel gibt: Beides zu nutzen hat noch selten geschadet.

Tipps und Tricks rund ums Netzwerken

Die wichtigsten drei Dinge: Authentizität, Authentizität und Authentizität
Neu in ein bestehendes Netzwerk zu kommen ist für die meisten anfangs eher unangenehm. Doch lass Dich davon nicht abschrecken, trau Dich! Sobald Du den ersten Schritt gemacht hast, wird es einfacher. Du musst nämlich nichts weiter tun, als natürlich zu bleiben. Spiel keine Rolle, sei authentisch, freundlich, offen und bring Dich mit dem ein, was Dir liegt. Außer Du neigst zu Selbstverliebtheit oder Sprücheklopferei, dann versuch, Dein Gegenüber auch zu Wort kommen zu lassen und höre ihm zu.

Erst geben, dann nehmen
Netzwerke dienen in erster Linie dem Austausch. Networking ist kein Selbstzweck, keine Verkaufsveranstaltung und noch weniger das Abgreifen von Informationen oder das Erlangen von Vorteilen. Wenn Du neu hinzukommst, bring Dich ein – und zwar ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Ein guter Weg ist, Kontakte zu teilen und Leute weiterzuempfehlen. Im besten Fall profitieren alle davon. Mit Ratschlägen allerdings solltest Du Dich zurückhalten und diese erst geben, wenn danach gefragt wird.

Belastbare Beziehungen brauchen Zeit und Pflege
Wer sich nicht um sein Netzwerk kümmert, wird nicht mehr als flüchtige Bekanntschaften sammeln. Pflege Deine Kontakte, so bleibst du in Erinnerung. Oft reichen hier schon kleine Dinge, wie kurze Telefonate, Mails oder Geburtstagsgrüße.

Netzwerkzeit ist Arbeitszeit
Auch wenn Netzwerkveranstaltungen auf den ersten Blick leicht und locker ausschauen – sie sind anstrengende Arbeit. Behandle sie auch so! Gerade Selbständigen fällt es oft schwer, das so zu sehen, weil sie Zeit „opfern“ müssen für eine Tätigkeit, die keinen kurzfristigen Ertrag bringt. Aber die Investition zahlt sich aus.

Auswählen statt auf jeder Hochzeit tanzen
Zeit ist begrenzt, bei Selbständigen mit Familie besonders. Deshalb überlege, wo Du deine limitierte Zeit investierst und wähle die Netzwerke, die sich in deinen beruflichen und persönlichen Alltag integrieren lassen. Qualität geht auch hier wie so oft über Quantität. Und ein Tipp für Mütter und Väter: Kinder und Netzwerken schließen sich nicht aus. Oft kann der Nachwuchs zu Veranstaltungen mitgebracht werden und nicht selten sind die Kleinen ein „Eisbrecher“ für den Gesprächseinstieg.

Netzwerke nur so, wie es sich für Dich richtig anfühlt
Jeder hat sein eigenes Tempo und seine eigene Art. Wichtig ist, dass Du Interesse für Menschen und Ideen mitbringst. Netzwerken ist kein Leistungssport, an dem Du am Ende an der Anzahl Deiner Kontakte gemessen wirst. Von Julia Meder (Coach, Autorin, Verlegerin und Podcasterin) gibt es dazu noch folgende Tipps:

„Überfordere Dich nicht, denn das merken andere und es werden keine wirklichen und nachhaltigen Beziehungen. Nicht einfach Namen und Kärtchen sammeln und dann in Gedanken schon weiter zur nächsten interessanten Person flattern. Lieber eine tiefe Begegnung, die lange nachklingt, als zehn oberflächliche, die nie wieder etwas bringen. Und höre auf die Signale Deines Körpers: wenn es sich komisch anfühlt und Du das Gefühl hast, Du bist nicht Du selbst und sich womöglich richtig körperliche Signale einstellen, dann nimm das wahr und handele entsprechend. Und manchmal heißt das auch, sich einfach irgendwo hinsetzen, die Menschen beobachten und schauen, wer zu Dir kommt. Du kannst auch als Oase der Ruhe in dem Menschengewimmel netzwerken, die richtigen Menschen werden sich davon angezogen fühlen und zu Dir kommen.“

Zum Online-Netzwerken freuen wir uns, wenn Du unserer Facebook-Gruppe beitrittst. Auch offline treffen wir uns, die Termine findet ihr hier.

Ein Beitrag von Julia Gänzler

Rückblick 2. Netzwerkforum

Bei strahlendem Sonnenschein begrüßte Tabea Tangerding vom Bündnis für Familie Heidelberg am Samstag, den 14. April 2018, die TeilnehmerInnen des 2. Netzwerkforums der parentrepreneurs. Die Veranstaltung für Selbständige mit Familie, die wieder im Dezernat 16 stattfand, bot ein abwechslungsreiches Programm, das unterschiedliche Einblicke in das Thema „Netzwerken“ ermöglichte.

Zu Beginn standen zwei Impulsvorträge. Den Anfang machte Marco Tidona von aponix, dessen Herz für Urban Farming brennt. Er entwickelte ein System, mit dem man Setzlinge vertikal in Tonnen anbauen kann und das ohne Herbizide und Pestizide auskommt. Dadurch kann man essbare Pflanzen vor Ort mit wenig Flächenbedarf anbauen und so die sogenannten „Foodmeilen“, (die Kilometer, die ein Lebensmittel zurücklegt, bis es auf dem Teller landet) reduzieren. Seinen Schlüsselmoment hatte Marco Tidona in New York, das uns in Sachen Urban Farming einige Jahre voraus ist. Mittlerweile hat der Vater eines Sohnes ein großes Netzwerk aufgebaut und verkauft seine Pflanztonnen in die ganze Welt.

Ein ganz anderes Netzwerk stellte Simone Ruckstuhl vor. Die Fotografin, Cutterin und Mutter aus Mannheim ist Initiatorin der FuckUp Nights Mannheim und überzeugt, dass Scheitern eine Bühne braucht. Von dem Format hörte sie erstmals in Berlin und beschloss, diese Veranstaltung auch in die Gründerstadt Mannheim zu holen. Seit 2015 finden die FuckUp Nights an wechselnden Orten statt, mit dem Ziel, das Tabu „Scheitern“ zu brechen. An den Abenden erzählen Unternehmer vor Publikum von ihren kleinen und großen Misserfolgen. Simone Ruckstuhl stellte kurz drei ehemalige Speaker vor, die alle ganz unterschiedlich gescheitert waren – finanziell, gesellschaftlich oder persönlich. Durch die FuckUp Nights soll Scheitern gesellschaftsfähig werden und die Chance gegeben werden, gegenseitig aus den Fehlern zu lernen.

Nach diesen interessanten Einblicken ging es nach einer kurzen Pause – mit Kaffee und Kuchen aus der Leitstelle – mit zwei parallelen Themenwerkstätten weiter.

Im Workshop von Barbara Amann drehte sich alles um strategisches Netzwerken. Egal ob im persönlichen Kontakt oder via Internet, ob rein beruflich oder privat, alle sind in unterschiedlichen Netzwerken unterwegs – und diese bieten gerade für Selbständige viele Chancen. Die TeilnehmerInnen erarbeiteten gemeinsam die Besonderheiten und Unterschiede von Online- und Offline-Netzwerken. Wenn man sich die jeweiligen Vorteile bewusst macht, kann man Netzwerke gezielt nutzen, um seine Zielgruppe zu erreichen oder Unterstützung zu bekommen. Barbara Amann gab noch zu bedenken, dass alles, was mit „Kontakten“ zu tun hat, Arbeitszeit ist – auch wenn dieses Netzwerken auf dem Spielplatz stattfindet.

Lukas Schmelzeisen vermittelte in seinem Workshop erste Schritte bei Teamwork- und Projektmanagementtools. Deren Ziel ist es, die Kommunikation über ein Tool zu steuern und alles für alle und in Echtzeit auf einen Blick verfügbar zu haben. Mit Slack und Trello wählte er exemplarisch zwei Anwendungen aus, die aus seiner Sicht einen sehr guten Einstieg darstellen. Trello orientiert sich an Kanban-Systemen, Slack hingegen wird meist als Online-Kommunikationsdienst genutzt. Beide sind erweiterbar und können individuell angepasst werden. Egal welches Tool man verwendet, Lukas Schmelzeisen gab den Workshop-TeilnehmerInnen drei wichtige Dinge an die Hand: klare Regeln, klare Rollen und regelmäßiges Feedback.

Den inhaltlichen Abschluss bildete ein Netzwerk-Talk, moderiert von  Johanna Illgner. Sabine Arndt  (Heidelberger Unternehmerinnen), Jaqueline Mellein (Delta Frauen), Sabine Nielsen (HIP), Shiva Hamid (Breidenbach Studios), Julia Schönborn  (#Digital Media Women), Raoul Haschke (HD Startup Partners e.V.) und Annette Holthausen (parentrepreneurs) stellten zuerst in jeweils 1-minütigen Pitches ihre Netzwerke vor, bevor in der Publikumsdiskussion dann über Selbständigkeit, Gründe fürs Gründen und Netzwerken gesprochen wurde. Einig waren sich alle, dass es beim Netzwerken immer um Geben und Nehmen geht und Netzwerke kein reiner Selbstzweck oder gar als Verkaufsveranstaltungen für die eigenen Leistungen dienen sollten.

Für die kleinen Besucher gab es während der ganzen Veranstaltung ein abwechslungsreiches Kinderprogramm: Sie konnten mit Stephanie Selke von der Filzerei Blumen filzen oder bei den ForscherFreunden spannende Experimente machen. Dani Vanreusel las aus ihrem Kinderbuch „Euko und die fliegenden Füchse“ vor und malte danach mit ihren Zuhörern. Ein kleiner Rennstall aus Bobbycars, mit denen man durch die beiden Foyers flitzen konnten, rundeten das Angebot ab.

Wer viel arbeitet, muss auch gut essen: Nach dem Programm wurde gegrillt und bei Würstchen, Hamburgern und Salaten im Hof des Dezernat 16 der Tag entspannt in der Abendsonne beendet.

Text: Julia Gänzler

Porträt Lara (laralistens) & Lukas (kanguruconsulting)

Zwei Solo-Selbstständige und ein Kind – Ein Erfahrungsbericht 

In Zukunft werden mehr Menschen selbständig, flexibel und mobil arbeiten. Aber wie vereinbart man das mit der Familie? Lara, Visual Facilitator, und Lukas, selbstständiger IT-Consultant, sind vor 3 Jahren von Brüssel nach Heidelberg gezogen. Vor einem Jahr kam ihr Sohn Merlin auf die Welt. Sie erzählen uns, welche Strategie sie für sich heute schon gefunden haben.

Liebe Lara, lieber Lukas, erzählt doch mal, was macht ihr beruflich?

Lara: Ich fange Wörter ein und wandele sie um in Bilder. Das mache ich in meinem Atelier als Illustratorin für schöne Sachbücher, mit Wasserfarben und Tinte. Außerdem arbeite ich mit Organisationen und Teams zusammen um Besprechungen, Tagungen und Konferenzen visuell zu begleiten. Neben einer visuellen Dokumentation interessieren mich da besonders Methoden, die Beteiligung möglich machen und Menschen einbinden und ermutigen, gemeinsam neue Wege zu gehen.

Lukas: Ich helfe kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie anderen Selbstständigen in Heidelberg und Europa um weniger Zeit am Computer zu verlieren. Obwohl aktuell auch Entwicklung und Support zu meinem Repertoire dazugehören habe ich den Begriff „IT Consultant“ gewählt um meine Arbeit zu betiteln. Ob mit Windows oder Linux, online oder in Excel, gebe ich positive Antworten auf die Frage: „Geht das nicht auch einfacher?“

Was war zuerst da: die Familie oder die Selbständigkeit?

Lara: Ich habe mich schon während dem Studium nebenbei selbständig gemacht. Mir gefällt es so frei zu sein. Als ich letztes Jahr schwanger war, habe ich mir viel mehr Auszeit gegönnt als mir gesetzlich ‚zustand‘. Diese Freiheit meine Zeit selber ein zu teilen ist ein wesentlicher Grund meiner Selbstständigkeit.

Lukas: Ich habe mich nach einer Phase als Arbeitnehmer in einer festen Stelle im IT-Bereich selbstständig gemacht. Als Selbstständiger kann ich meine Arbeit flexibel gestalten, sodass sie für meine Familie und mich, sowie für meine Kunden am besten passt. Auch wenn der Eintritt in die Selbstständigkeit vor der Gründung der Familie kam, so hat der Wunsch Zeit für die Familie zu haben sicher die Entscheidung maßgeblich beeinflusst.

Arbeitet ihr auch an gemeinsamen Projekten?

Lukas: Außer gelegentlicher Unterstützung des anderen in unserem jeweiligen Fachbereich, arbeiten wir aktuell beruflich nicht zusammen. Neben den vielen privaten Projekten einer jungen Familie, freue ich mich, meine Projekte ganz selbst gestalten zu können.

Lara:
Auch für mich ist die Arbeitszeit gerade gleichzeitig eine Ich-Zeit.

Was bedeutet für Euch das Stichwort Vereinbarkeit von Beruf und Familie und wie lebt und organisiert ihr den Alltag?

Lara: Die Rollenverteilung in unserer Familie ist sehr flexibel, mein Mann ist auch selbstständig und kann gut von zuhause aus arbeiten. Am Frühstückstisch besprechen wir den jeweiligen Tag, sonntags gleichen wir die Termine der kommenden Woche ab. Wir versuchen ein 50/50 Verhältnis hinzubekommen, aber das hängt natürlich auch von der Auftragslage ab.

Lukas: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hängt für mich stark zusammen mit dem Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Freiheit: Wie viel Zeit investiere ich in Karriere und Zukunft und wie sehr nutze ich die Freiheit viel Zeit mit der Familie verbringen zu können? Aktuell ist das Verhältnis etwa 50/50, was dann auch eine ausgeglichene Rollenverteilung ermöglicht.

Die liebe Zeit…. Welche Rolle spielt Zeit für Dich? Was ist Dir wichtig?

Lara: An einem idealen Tag arbeite ich einige Stunden und gehe nach getaner Arbeit noch mit unserem Sohn ins Schwimmbad oder in den Wald. Auf mehrtägigen Konferenzen reise ich schon mal mit der ganzen Familie an, das macht bisher viel Spaß und kommt zum Glück auch bei Kunden gut an. Die große Herausforderung ist auch an einem Tag, an dem alles nicht so flott läuft, zu sagen: es war gut genug, ich mache jetzt Feierabend.

Lukas: Die Befreiung der Zeit aus vorgegebenen Mustern ist für mich eine der bedeutendsten Vorteile der Selbstständigkeit. Die Freiheit auch spontan meine Arbeitsabläufe anpassen zu können hat mir viele schöne Erlebnisse mit meiner Familie beschert. Zusätzlich kann ich den zeitlich größten Teil meiner Arbeit ortsunabhängig erledigen, sodass ich Frau und Kind auf vielen Arbeitsreisen begleiten kann, solange ich dort Internet für meinen Laptop finde.

Aus dem Nähkästchen, welche Tipps habt ihr für Eltern, die sich selbständig machen wollen? Oder an Selbständige, die Eltern werden?

Lara: Das Eltern werden hat dafür gesorgt, dass wir das Wesentliche und Wichtige viel besser unterscheiden können. Ich glaube kaum, dass irgendein Zeit- Management-Seminar uns diese Skills so gut und schnell hätte vermitteln können.

Lukas: Tatsächlich hat sich mir beides – selbstständig werden und Eltern werden – erst dann ganz erschlossen, als es soweit war. Ich glaube, wenn man ein gutes Gefühl hat – sich vorbereitet fühlt, kann man das Wagnis durchaus mal eingehen.

Vielen Dank für das Interview.

Näheres zu Laras Arbeiten findet ihr unter www.laralistens.eu und zu Lukas unter www.kanguru-consulting.com

Porträt Marco Tidona (aponix)

Circular economy &  Vereinbarkeit aus der Väterperspektive

Heute erfahren wir, wie Marco Tidona seine Vision vom Vertical Urban Farming in die Praxis umsetzt. Er ist selbständiger It Spezialist und Geschäftsführer des Unternehmens Aponix, / Manticore IT GmbH in Heidelberg und wir möchten wissen, wie er seine Rolle als Vater mit seinem Unternehmen zusammenbringt.

 

Marco, erzähl doch mal was du beruflich genau machst?

Ich bin Urban-Farming-Enthusiast seit 2014 und selbständiges IT-Systemhaus in einer Person seit 1999. Ich habe die letzten Jahre für verschiedene Unternehmen individuelle Anwendungen aus den Köpfen der Entscheider heraus erarbeitet, die Infrastruktur aufgesetzt und betrieben. Außerdem bin ich Ansprechpartner bei allen Weiterentwicklungen über den gesamten Lebenszyklus einer Anwendung. USP war hier immer, dass heißt, dass ich unabhängig von Geschäftszeiten und Urlaub und alles in einer Person mache und somit die Dimensionen Zeit, Qualität und Kosten meiner Arbeit  nur sehr schwer für traditionell organisierte IT-Unternehmen zu erreichen sind. Das gleiche Prinzip hilft mir auch, mein Vertical Farming-Produkt, die vertikale Pflanztonne von aponix zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

Wer gehört alles zu deiner Familie?

Wir das sind meine Frau Sigi, die bei uns als Vertriebs-Ingenieurin die Industrie-Karriere macht und ‚das Geld verdient’ und unser Sohn Julius, der dieses Jahr 7 Jahre alt wird – super Typ. Wir sind 2013 aus Mannheim nach Heidelberg in die Bahnstadt gezogen.

Kannst du uns deinen Weg in die Selbständigkeit schildern?

Hier falle ich meines Erachtens aus dem Bild, das man typischerweise von einem ‚Gründer’ hat ,raus. Ich war schon immer selbständig. Auch während des Studiums habe ich so ziemlich alle Semesterferien in Unternehmen gearbeitet. Zwar habe ich auf selbständiger Basis auch immer mal wieder längere Zeit in Unternehmen verschiedener Größe auf Projektbasis gearbeitet, ich konnte mir aber nie vorstellen, dort auf unabsehbare Zeit als ‚Mitarbeiter’ zu sein.

So gesehen empfinde ich auch keinen Unterschied zwischen ‚Arbeit’ und ‚Freizeit’. Die Dinge, die ich mache bzw. priorisiere tragen zu einem Gesamtergebnis bei, das mir persönlich wichtig ist. Ich habe schon hier und da mal im engeren Sinn ‚gegründet’, bspw. mit 2 IT-Kollegen aus einem gemeinsamen Kunden heraus in Bad Homburg eine IT-Firma, die nach 3 Jahren knapp 1 Mio EUR Umsatz gemacht hat. Wir sind hier innerhalb von 3 Jahren gut gewachsen. Ich habe mich dann aber doch entschlossen die Firma zu verlassen, da a) unser Sohn 2011 auf die Welt gekommen war und das 100km weit entfernt in Mannheim und b) die Perspektive Wachstum zu einem Systemhaus dadurch schwer infrage gestellt worden war, da sich die ursprünglichen Gründer weigerten oder aus ihrer Sicht nicht die Notwendigkeit gesehen haben, sich selbst von der Fachkraft zu Leadern, also zu professionalisieren. Eine Alternative wäre auch gewesen einen Mentor oder einen deutlich erfahreneren Geschäftsführer hierarchisch über die Gründer zu setzen. Das kam aber für die anderen beiden Gründer auch nicht infrage. Gefühlt war mir der Preis zu hoch, mich hier weiter zu 100% zu engagieren und ich bin mit meiner Stammeinlage 2012 wieder ausgeschieden. Damit habe ich 3 Jahre 24/7-Engagement mit Null zurück gelassen. Einzig meine eigenen Kundenbeziehungen habe ich mitgenommen und nach einer Übergangsphase die Manticore IT GmbH alleine gegründet. Gründung war hier aber eher in dem Sinn zu verstehen, dass ich ein juristisches Vehikel benötigt habe, um mich buchhalterisch und bezgl. Steuergesetzen verlässlich zu organisieren.

Worin siehst du deine größte berufliche Herausforderung?

Ich bin hier enorm ergebnisorientiert. Ob es schwer war etwas zu erreichen, ob es weh getan hat, schief gegangen ist oder sehr einfach war, interessiert langfristig nicht. Auf das Ergebnis kommt es an. Hier gibt es einen reichen Kosmos von neuen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die natürlich alle außerhalb deiner Komfort-Zone liegen und erarbeitet werden müssen. Aber wenn man den Wert der möglichen Ergebnisse versteht, geht es auch immer weniger um Ego – nur ein Ergebnis zählt.

Beispiel: Auf einer Bühne zu stehen und einer Gruppe von Fachleuten in einer Fremdsprache sein Produkt begeistert und technisch sauber zu erklären, ist etwas was man nicht einfach von Natur aus kann. Man muss irgendwo/irgendwann anfangen das zu üben, durch Feedback von Mentoren besser zu werden und langsam wichtigere Auftritte auch zu meistern. Das kostet Überwindung und Mut. Aber am Ende ist es einfach nur sauber ausgeführte Vorbereitung, die einen enormen Wert für ein neues Produkt entfalten kann. Es kann einem auf Messen bspw. eine Menge vermeidbare Dialoge ersparen. Nach einem Bühnenauftritt kommen die passenden Leute an den Stand und stehen gerne Schlange. Die Devise ist ‚Luck is when preparation meets opportunity’. Wenn man hier mal den Wert dieser neuen Fähigkeiten und Fertigkeiten verstanden hat, ist es keine Option mehr diese nicht zu erarbeiten. Dafür braucht es natürlich auch Vorbilder und persönliche Helden.

Wie lebst und organisierst du deinen Alltag als Vater?

Mein Zeitfenster ist werktäglich, wenn keine Schulferien sind, von 8 bis 16 Uhr. Hier muss der Großteil von dem was mir wichtig ist organisiert werden. Der Alltag ist jeden Tag anders und gliedert sich eigentlich eher in das abarbeiten oder organisieren der wichtigsten Aufgaben. Ich habe da viele Listen – elektronisch, auf Papier, die sich ständig verändern.

In IT-Projekten schreibt man ‚unwichtige’ Dinge auf, damit man Sie dann Wochen später einfach weglassen kann. Genauso funktionieren meine Listen. Sie beinhalten immer viel mehr Aufgaben, als ich erledigen kann. Was erledigt wird ist mir in dem Moment wichtig. Sehr banal: Die Cash-Flow-Planung geht in den Keller, ich schreibe Rechnungen.

Ich bin erschöpft und mache zu viele Fehler oder komme nicht weiter, dann schreibe ich mir ‚Freizeit’ in den Kalender oder checke sofort die Öffnungszeiten des lokalen Schwimmbades und gehe direkt 1 Stunde Schwimmen oder Laufen. So habe ich bspw. nebenbei das Kraulen gelernt.

Durch den Wechsel in meinem Denkmuster, löse ich die zuvor unlösbar erscheinenden Probleme zumeist unvorhersehbar elegant. Diese Art von Spannungswechsel habe ich über die letzten Jahre perfektioniert. Für mich funktioniert das sehr gut. Eine sehr wichtige Aufgabe, die ich mir gar nicht aufschreiben muss, ist dabei beispielsweise ‚gesund und fit zu bleiben’. Dafür muss man regelmäßig etwas tun.

Zum Stichwort Zeit: Welche Rolle spielt Zeit für Dich? Und was ist Dir wichtig?

Die liebe Zeit,  Zeit an sich und auch der passende Zeitpunkt sind kritische Komponenten. Wenn ich für ein IT-Projekt bspw. eine komplexe Struktur aufbauen soll und dafür meine volle Konzentration über einen längeren Zeitraum benötige, versuche ich erst gar nicht, das zu einem unpassenden Zeitpunkt zu machen. Ich kann nur steuern, ob, wann und wie intensiv ich etwas machen möchte um mein Ergebnis zu erreichen. Es klappt auch nicht immer so wie ich das plane oder gerne möchte. Das ist auch OK. Ich kann es dann in der Zukunft besser oder anders machen oder es auch lassen. Meistens brauche ich auch länger als ich mir das ursprünglich dachte. Außerdem habe ich auch gelernt, dass erst wenn man sich intensiver mit etwas beschäftigt, die nächsten richtigen Schritte deutlich werden. Eine weitere wichtige Komponente ist hier der Austausch mit anderen und deren ehrliches Feedback. Das muss nicht immer jemand älteres sein und ich muss auch nicht alles gut finden was ich höre. Aber alleine dadurch, dass ich es gehört habe, entwickelt sich meine Intuition. Experte kann bspw. einfach jemand mit einer andere Vorgehensweise und anderen Erfahrungen sein. Gut macht ihr es, wenn ihr alle 5 Jahre über eure Mentoren, zu denen ihr anfangs aufgeschaut habt, hinauswachst.

Und zum Schluss aus dem Nähkästchen, welche Tipps hast du für Eltern, die sich selbständig machen wollen?

Einfach sind die Dinge, für die man Talent hat. Niemand hat Talent für alle notwendigen Tätigkeiten. Es ist auch nicht jedermanns Sache, selbständig zu arbeiten. Ihr habt keinen Vorgesetzten, der euch die Aufgaben gibt und ihr habt auch keine klassische Rolle aus einer Unternehmens-Hierarchie. Ihr habt quasi den Hut aller möglichen Rollen abwechselnd oder teilweise auch gleichzeitig auf.

Das Geschäftsmodell sollte ökonomisch sinnvoll sein. Permanent unter finanziellem Druck arbeiten, wird nicht dauerhaft funktionieren. Das Modell dazu auf Basis von Cash-In und Cash-Out sollte man sich auf Monatsbasis und für die nahe Zukunft einmal in Excel verdeutlichen und auch monatlich updaten.

Macht euch klar, was genau ‚Erfolg’ für euch speziell bedeutet! Das hört sich logisch an, die meisten können aber keine klaren Ziele daraus ableiten! Beispiel: Ist Elon Musk erfolgreich? Man kann das erst sagen, wenn man seine persönlichen Ziele kennt. Ein ausgeglichenes Familienleben? Unklar… Ein profitables solides Unternehmen aufbauen? Nein… Einen Tesla auf dem Mars parken? Ja.

Erfolg ist individuell, ändert sich über die Zeit und ist nicht linear – ihr wachst unterwegs und eure Umwelt verändert sich gleichzeitig. Seid ihr bereit und flexibel genug hier hinein zu wachsen? Es hängt davon ab, was ihr gerne erreichen wollt und welchen Preis ihr dafür zu zahlen bereit seid. Im Zweifel – ausprobieren und dann abbrechen oder weitermachen.

Lieber Marco, herzlichen Dank für das Interview.

Beim Parentrepreneurs Netzwerkforum am 14.4. hält Marco Tidona einen Impuslvortrag: „Mit Vertical Urban Farming die Welt retten“. Weitere Informationen findet ihr unter http://www.aponix.eu

Porträt Simone Ruckstuhl (FuckUpNights Mannheim)


FuckUp Nights Mannheim – Das Scheitern bekommt eine Bühne

Simone Ruckstuhl lebt in Mannheim und arbeitet als selbständige Fotografin und Cutterin. 

Seit Oktober 2015 ist sie die Mitinitiatorin der FuckUp Nights Mannheim. Sie ist überzeugt, dass das Scheitern eine Bühne braucht, damit andere Menschen daraus lernen könnenBeim parentrepreneurs Netzwerkforum am 14.4. hält Simone Ruckstuhl einen Impulsvortrag. Vorab verrät uns Simone, was es mit Format der FuckUpNights auf sich hat und warum Scheitern so verpönt ist.

Simone, du veranstaltest gemeinsam mit Angela Kniesel seit 3 Jahren die FuckUp Nights in Mannheim. Wie kam es zu dieser Idee?

Es war nicht unserer Idee. Entstanden ist die FuckUp Nights in Mexiko und hat sich nun zu einem globalen Event entwickelt, welches in über 200 Städten weltweit stattfindet. Freunde von mir veranstalten die FuckUp Nights in Berlin. Als ich dort das Format sah, war mir sofort klar, dass es nach Mannheim passt. Mannheim die Gründerstadt, da wird auch viel gescheitert.

Erfolgsgeschichten gibt es viele, über das Scheitern reden nur wenige Gründer/innen offen. Woran liegt das?

Weil das Scheitern, gerade in Deutschland, immer noch als etwas sehr Negatives und Beschämendes gesehen wird. Deutschland liegt statistisch auf dem vorletzten Platz bei einer Umfrage über das Thema „Fehlerkultur“. Es gibt sie praktisch gar nicht. Dabei ist es Fakt –  nur wer etwas bewegt und neues wagt, kann scheitern.

Fehler, Sackgassen, Projekte, die gewaltig schief gelaufen sind: was kann man aus den Geschichten lernen?

Man kann sehr viel aus den Geschichten lernen. Jeder der Zuhörer nimmt etwas anderes mit. Die Sprecher erklären neben ihrer Geschichte, was sie anders machen würden. Vor allem die Frage – und Antwortrunde nach jedem Vortrag zwischen Publikum und Sprecher gibt viele Tipps und Antworten.

Was nimmst du persönlich aus den Veranstaltungen mit?

Mir wird immer wieder bewusst, wie groß der Bedarf ist, über das Scheitern zu sprechen und wie wichtig es ist. Jeder Sprecher, der bis jetzt auf unserer Bühne stand bringt seine eigene Geschichte mit. Jeder empfindet das Scheitern anders. Ich selbst nehme jede Geschichte mit und jedes Wiederaufstehen. Ebenso bin ich durch die Organisation der FuckUp Nights aus meiner Komfortzone herausgekommen. Ich glaube, ich kann sogar sagen, dass ich mutiger geworden bin.

Und zum Schluss: welchen Tipp hast du für Selbständige mit Familie? 

Es ist ganz wichtig, es mit Leidenschaft zu tun. Von seiner Sache überzeugt zu sein und in Kauf zu nehmen, ein paar nächtliche Überstunden dranzuhängen. Als Selbständige mit Familie gibt es einen großen Vorteil, dass man sich seine Zeit einteilen kann, wann man arbeitet. Der Nachteil wiederum ist, dass man selbst dafür verantwortlich ist, die Aufträge fertig zu bekommen. Wichtig hierbei ist die Organisation und eine gute Portion Disziplin. Wenn der worst case eintritt, dass die Deadline eines Projektes vor der Tür steht und z. B. die Kinder krank sind, braucht man Überzeugung und Leidenschaft, um dran zu bleiben, nicht aufzugeben und weiterzumachen.

Liebe Simone, herzlichen Dank für das Interview.

Mehr über Simone Ruckstuhl findet Ihr unter http://www.fuckupnights-mannheim.de. Die nächste FuckUp Nights findet am 19. April statt in der Klapsmühl‘ am Rathaus, D6, 68159 Mannheim. Einlass: 19.30 Uhr, Beginn 20.00 Uhr, Eintritt 8,–€

 

Porträt Barbara Amann (arbeitsgut)

Gesundes Arbeiten – zwischen Muße, Flow und Last

Jeder sollte für sich den beruflichen Weg finden, der zu ihm passt und in dem er Freude und Zufriedenheit erfährt. Dann wird er auch genügend Zeit für Glück in seinem Leben finden, ist Barbara Amann überzeugt. Beim parentrepreneurs Netzwerkforum am 14.4. bietet sie eine Themenwerkstatt zum strategischen Netzwerken an. Heute fragen wir sie, welcher Schritt sie letztes Jahr dazu bewogen hat, sich mit über 50 Jahren als Unternehmensberaterin mit „arbeitsgut“ selbständig zu machen.

Welcher Schritt hat dich dazu bewegt, dich mit arbeitsgut selbständig zu machen?

Bereits während des Studiums hatte ich das Ziel selbständige Unternehmensberaterin zu werden. Meine Pläne habe ich verschoben, als ich während des Studiums meinen ältesten Sohn bekam und es dann erst mal darum ging, sich über Wasser zu halten und regelmäßig Geld zu verdienen, um die Fixkosten decken zu können. Deshalb habe ich mir eine Festanstellung gesucht. Ich hatte das Glück, ein Unternehmen zu finden, in welchem ich dann auch zufrieden und glücklich lange Jahre gearbeitet habe. Dort habe mich sehr wohl gefühlt und mich fachlich gut weiterentwickeln können. Es ergaben sich immer wieder neue spannende berufliche Herausforderungen. Vor dem Schritt in die Selbständigkeit war ich etliche Jahre als leitende fachliche Angestellte über mehrere Standorte für das deutschlandweit agierende Bildungsunternehmen tätig.

Mit der Selbständigkeit habe ich mir einen Lebenswunsch erfüllt, der über all die Jahre in mir geschlummert hatte und sich immer wieder beharrlich meldete. Und eines Tages war ich dazu bereit, die Sicherheit der Festanstellung aufzugeben und diesen neuen Weg zu gehen.

Wie bist du auf den besonderen Unternehmensnamen „arbeitsgut“ gekommen?

Mit arbeitsgut biete ich Beratung, Training und Coaching für Arbeitsmarktintegration und gesundes Arbeiten an, also Themen rund um die Arbeit. Wie wir alle wissen hat Arbeit viele Gesichter. Sie kann z.B. schön, anstrengend, zermürbend, erfüllend, anregend, zweckerfüllend, zugehörigkeitsbildend, tagesstrukturierend, sinnstiftend, spaßmachend, existenzsichernd, zu lang und lästig sein.
Für mich ist sie grundsätzlich positiv besetzt und mein Unternehmensname impliziert den Leitsatz „Arbeit ist gut.

Wie bindest du das Thema Gesundes Arbeiten in deine Tätigkeit ein?

In der heutigen Arbeitswelt kommt es häufig vor, dass Menschen sich coachen lassen, um ihre derzeitige Tätigkeit auf den Prüfstand zu stellen oder eine neue berufliche Perspektive zu finden. Im individuellen Karrierecoaching entwickeln meine Kunden die für ihre Lebenssituation passenden Lösungen und finden Klarheit für ihren persönlichen Lebens- und Berufsweg. Zum Thema Arbeitsmarktintegration berate ich Bildungsunternehmen und schule auch deren Kunden und Mitarbeiter.

Der Themenbereich gesundes Arbeiten und Gesundheitsförderung liegt mir sehr am Herzen. Gesundheitsförderung ist zu Zeiten eines erhöhten Fachkräftemangels für Unternehmen ein wichtiges Instrument, Mitarbeiter zu pflegen und zu halten. Ich unterstütze Unternehmen darin, eine unternehmensinterne Wohlfühlkultur zu implementieren und biete Seminare zum Thema Stressbewältigung und Resilienzförderung an.

Wie funktioniert für dich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Wenn Kinder im Haushalt leben und beide Eltern berufstätig sind, müssen alle zusammenarbeiten, ob selbständig oder angestellt. Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu realisieren ist die Aufgabe beider Eltern. Das ist bei uns selbstverständlich. Wir haben auch eine Familien WhatsApp Gruppe, in die die Arzttermine, außergewöhnliche Sporttermine o.ä. eingetragen werden. Da mein Mann auch beruflich viel verreist, sprechen wir unsere Auswärtstermine ab, so dass immer einer von uns in der Nähe von Heidelberg ist, falls unser jüngster Sohn überraschend krank werden sollte. Die letzten Jahre hat das immer gut geklappt. Ich hoffe, dass wir das auch so gut in der Zukunft hinbekommen werden.

Die liebe Zeit…. welche Rolle spielt Zeit für Dich? Was ist Dir wichtig?

Heute ist der Anfang vom Rest Deines Lebens. Dieser Satz wird für mich immer präsenter, je älter ich werde.
Zeit ist relativ und ich versuche auch, mit sogenannten „Zeitfressern“ positiv umzugehen. Für die Zeit im Stau habe ich z.B. immer ein interessantes Hörspiel im Auto. Das ist dann Entspannung pur! Ich nehme mir Zeit im Alltag für all die wichtigen Themen und Tätigkeiten, wie z.B. gemeinsam Frühstücken (Wochenende!), Zeitung lesen, Kaffeetrinken, Kochen, Essen, Reden…Je älter meine Söhne geworden sind, desto mehr Zeit bleibt für mich persönlich und für die Beziehung mit meinem Mann. Das genieße ich sehr. Außerdem mache ich leidenschaftlich gerne Musik. Dafür habe ich mir schon immer Zeit genommen.

Aus dem Nähkästchen – welche Tipps hast du für Eltern, die sich selbständig machen wollen?

Priorität hat immer die Familie. Kinder zu haben ist ein unglaubliches Geschenk und ich freue mich jeden Tag darüber, zwei gesunde Kinder zu haben.

Da wir keine Verwandtschaft in der Nähe haben und somit auch nicht auf Oma, Opa oder Tante zurückgreifen konnten, mussten wir Engpasszeiten immer durch den Freundeskreis oder durch Kinderhüter abdecken. Man sollte die Kinder schon frühzeitig in Kindergartenzeiten daran gewöhnen, am Nachmittag auch mal einen Freund oder Freundin mitzunehmen zu können. Dann ergibt sich automatisch, dass die Kinder auch vom Freund eingeladen werden. Sind die Kleinen erst daran gewöhnt, wird das zwischen den Familien ein Geben und Nehmen. Wir haben das gerne im Wechsel mit anderen Familien praktiziert. Unsere Kinder und auch wir haben so schöne, langjährige und intensive Freundschaften schließen können. Es ist schon sehr entspannend, in einem Meeting zu sitzen und zu wissen, dass der Sohn nach der Schule zu seinem Kumpel geht.

Das Leben ist zu wertvoll, um irgendwann mal zu sagen: „Ach hätte ich doch…“. Wenn der Wunsch besteht und eine Selbständigkeit grundsätzlich zu realisieren ist, sollte man seine Komfortzone verlassen und diesen Weg gehen, auch im Alter von 50plus.

Liebe Barbara, herzlichen Dank für das Interview.
Mehr über Barbara Amann findet ihr unter www.arbeitsgut.de

Flexibel, aber nicht gleichberechtigt?

Warum die Selbstständigkeit oft eine Herausforderung für die Partnerschaft ist.

Immer mehr Mütter machen sich selbstständig oder gründen in der Elternzeit, um Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bekommen. Doch wie gleichberechtigt kann ein Selbstständig-Angestellten-Paar überhaupt sein? Ein Annäherungsversuch von Alexandra Polunin-Müller.

Ich bin flexibel
Der Vorteil an der Selbstständigkeit für mich als Mutter ist: Ich bin flexibel. Der Nachteil: Ich bin flexibel. Lasst es mich erklären …

Wenn ich morgens meinen Fünfjährigen für den Kindergarten wecke, ist der Mann bereits außer Haus. Klagt das Kind über Bauchweh, ist klar: Ich bleibe heute mit dem Kind daheim. Der Mann ist ja schon weg. So weit, so logisch. Denn wie heißt es so schön: Ich bin ja flexibel.

Doch: Auch ich habe Termine. Da sind Deadlines für wichtige Kundenprojekte, Absprachen mit Kollegen, an die ich mich halten möchte. Das wichtige Live-Interview, das mich richtig pushen könnte … Zwar sitzt mir kein nörgelnder Chef im Nacken, der über die Einhaltung eines Terminplans wacht, doch das heißt nicht, dass ich den Tag nicht bereits für mein Business verplant hätte.

Bei genauerer Betrachtung bin ich also so flexibel wie ein Elefant beim Yoga – ich bin morgens einfach nur die erste Person, mit der das Kind spricht. Doch ehe man es sich versieht, ist ein Muster entstanden. Ein doofes, frustrierendes, für alle Beteiligten nervenaufreibendes Modell, das immer dann zum Tragen kommt, wenn Not am Mann ist: Die Selbstständige (die Mutter) bleibt mit dem Kind daheim. Der Angestellte (der Vater) geht weiter zur Arbeit.

„Du bist doch flexibel“, ist also nur die halbe Wahrheit. Vollständig müsste es heißen: „Du bist doch flexibel … und deshalb bist auch du für die Vereinbarkeit von deinem Job und krankem Kind verantwortlich. Und nicht ich.“ (Allerdings wird der zweite Teil dieses unnetten Gedankens meist höflich von allen Beteiligten verschwiegen.)

„Du machst doch sowieso nur den ganzen Tag in Facebook rum …“
Eine der größten Herausforderungen für ein Selbstständig-Angestellten-Paar ist zu verstehen, dass die beiden Arbeitsformen völlig verschieden funktionieren. Während ein Angestellter für jede Stunde vergütet wird, gibt es in der Selbstständigkeit nicht nur die bezahlten Kundenprojekte, sondern auch eine Meeeenge unbezahlter Arbeit. Dazu gehört neben der Buchhaltung vor allem die Akquise von Kunden, also Social-Media-Marketing, Bloggen, Netzwerken …

Das machen Selbstständige nicht bloß aus Spaß an der Freude (auch wenn es zugegebenermaßen extrem spannend ist, sich mit Gleichgesinnten und potentiellen Kunden auszutauschen) – es ist auch essentiell für die Sichtbarkeit und das Wachstum ihres Business.

Wer es wissenschaftlicher mag: Nach Bourdieu gibt es verschiedene Formen des Kapitals: ökonomisches, kulturelles, soziales und symbolisches. Wenn ein Angestellter für seine Stunden entlohnt wird, erwirbt er ökonomisches Kapitel ganz direkt und in ganz konventionellem Sinne: Er stellt seine Arbeitskraft zur Verfügung und bekommt dafür Geld. Bei Selbstständigen funktioniert das Ganze aber nur über einen Umweg: Bis sie ökonomisches Kapital (Geld) erwerben können, müssen sie sich erst kulturelles (Wissen, Fähigkeiten, ständige Weiterbildung), soziales (Kontakte, Vernetzung) und symbolisches Kapital (Anerkennung als Experte) aneignen. Und zwar jeden Tag aufs Neue …

„Schatz, ich häuf‘ dann mal soziales Kapital an …“ Einfacher ausgedrückt: Wenn eine Selbstständige Social-Media-Marketing betreibt, dann treibt sie sich nicht bloß wieder einmal in Facebook rum: Sie investiert in ihr soziales und symbolisches Kapital. Sie knüpft Kontakte. Sie wird sichtbar. Sie stellt ihre Expertise unter Beweis. Ja, niemand bezahlt Selbstständige fürs Bloggen und Co. Doch diese Tätigkeiten sind die Voraussetzung dafür, dass Selbstständige überhaupt jemals zu ökonomischem Kapital kommen können. Und je mehr soziales und symbolisches Kapital eine Selbstständige erwirbt, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie einen Kunden gewinnt und schließlich Geld auf ihrem Konto sieht.

Die Selbstständigkeit funktioniert also anders als ein Angestelltenverhältnis. Doch heißt es automatisch, dass Gleichberechtigung zwischen Selbstständigen und Angestellten unmöglich ist? Nein, heißt es nicht. Was es aus meiner Sicht zum Gelingen braucht, ist das richtige Mindset, Kommunikation und vorausschauende Planung. Doch alles der Reihe nach.

Gleichberechtigung und Selbstständigkeit – 6 Tipps zur erfolgreichen Umsetzung

Tipp #1: Nehmt die Selbstständigkeit ernst

Auch wenn die Selbstständigkeit nach anderen Regeln funktioniert als das Angestelltenverhältnis – es heißt nicht, dass sie weniger wert ist. Gerade am Anfang, wenn die selbstständige Mutter unregelmäßiger oder weniger verdient als der Angestellte, ist das richtige Mindset die halbe Miete.

„Neben der Familie ein eigenes Business aufzubauen, ist eine echte Herausforderung. Ich habe gelernt, dass man diese Herausforderung nur meistern kann, wenn man sich und sein Business – egal wie klein es sein mag – von Anfang an ernst nimmt und dafür einsteht. Denn wenn ich es nicht tue, dann tut es keiner.“   (Ulrike Müller-Siebert, Umfeldbewusstsein)

Von Anfang an für sein Business einstehen – für viele gar keine so einfache Angelegenheit. Da ist es meist die (selbstständige) Mutter, die daheim bleibt, wenn das Kind plötzlich krank wird. Es ist die (selbstständige) Mutter, die „ausnahmsweise mal“ nur einen halben Tag arbeitet, weil der Kindergarten außerplanmäßig um 13 Uhr schließt. Es ist die (selbstständige) Mutter, die die Eingewöhnung übernimmt und dadurch mehrere Tage völlig ausfällt. Es ist die (selbstständige) Mutter, die einen Babysitter organisieren muss, wenn ein wichtiger beruflicher Termin am Nachmittag ansteht. Da gilt eben das Primat der Ökonomie: Solange der Angestellte den Großteil des Geldes verdient, kann er ja auch ruhig weiterarbeiten, wenn die Kinder Magen-Darm-Grippe haben. Und die Selbstständige ist ja sowieso flexibel. Ein Teufelskreis, aus dem ein Paar aber irgendwann ausbrechen muss, wenn die Selbstständigkeit nicht nur eine Nebentätigkeit sein soll, eine Art Hobby, dem frau nachgeht, sobald sie neben Kinder und Haushalt etwas Zeit übrig hat, sondern ein richtiges, offizielles Business.

Tipp # 2: Plant im Voraus

Nach mittlerweile zwei Jahren Selbstständigkeit bin ich eine große Freundin von Plänen geworden. Und damit meine ich nicht bloß diesen schicken Kalender, in den man sich Zahnarzttermine und Kindergartenfeste einträgt. Nee, ich meine das eine Spur größer. Ich rede von Jahres-, Quartals- und Monatsplänen.Im Grunde setzt sich ein Paar zusammen, überlegt und teilt auf:

  • Wann nehmen wir uns zusammen als Familie frei?
  • In welchen Phasen wird es bei dir grundsätzlich eng und wann bei mir?
  • Wann könntest du im Zweifel daheim bleiben, wenn ein Kind krank wird, und wann ich?

Das Entscheidende an der Sache ist nun: Jeder hält sich auch dran. Natürlich ergeben sich auch viele Termine spontan. Aber ein Grundgerüst ist schon einmal da. Wenn ich als Selbstständige vorher weiß, in welchem Zeitraum mein Mann auf Geschäftsreise geht, dann werde ich den Teufel tun und meine Agenda für diesen Zeitraum ebenfalls vollknallen. Andersrum gilt: Wenn ich gerade einen lange Zeit im Voraus angekündigten Pinterest-Online-Kurs launche, dann holt mein Mann – wie vereinbart – den Jüngsten nachmittags vom Kindergarten ab – auch wenn er dafür eine spontan angesetzte Konferenz früher verlassen muss.

„Hast du denn keine Frau?“ – Dass es immer noch eine Herausforderung darstellt, eine gleichberechtigte Partnerschaft nicht nur in der Theorie anzustreben, sondern auch praktisch zu führen – geschenkt. Denn die gesellschaftliche Strukturen und Rollenerwartungen machen es einem nicht gerade leicht. Und bei Vätern wird noch viel zu oft gefragt: „Geht das überhaupt, dass er daheim bleibt, wenn ein Kind krank wird?“ Und noch viel zu oft kommt da ein „Lieber nicht …“ als Antwort. Deshalb verwundert es nicht, dass auch im Jahr 2018 ein Vater, der früher geht, um sein Kind vom Kindergarten zu holen, sich Fragen wie „Hast du denn keine Frau?“ anhören muss. Die einzig akzeptable Antwort ist übrigens: „Ja, hab ich. Schon einmal was von Gleichberechtigung gehört?“ Und wenn der Gesprächspartner dann „Ach so einer bist du!“ entgegnet, dann einfach mal stolz lächeln. Denn Väter müssen sich trauen, „so einer“ zu sein. Mit der Gleichberechtigung ist es nämlich wie mit dem Schwimmen. Es reicht eben nicht aus, nur theoretisch darüber zu reden. Man muss auch ins Wasser gehen.

Tipp #3: Habt immer, immer, immer einen Plan B

Soweit, so gut. Der Plan steht – und alle Beteiligten sind gewillt, ihn auch auch einzuhalten. Geht nun aber niemals, wirklich niemals davon aus, dass alles exakt nach Plan verläuft. Das tut es zwar in neun von zehn Fällen – allerdings nie, wenn es wirklich darauf ankommt. Murphys Gesetz und so. Deshalb hat es sich bei wichtigen Terminen und Deadlines bewährt, immer einen Plan B in der Tasche zu haben. Wer einen wirklich wichtigen Termin hat – ich meine Termine, für die man sich eher die Hand abhacken würde, als sie zu verpassen – kommuniziert also dem Partner im Vorfeld, dass er an Tag x zur Uhrzeit y nicht verfügbar ist, wenn etwas Unvorhergesehenes passieren sollte. Wenn sich der Partner diesen Termin in seinen Kalender einträgt und weiß, dass er im Notfall einspringen muss, sind alle auf der sicheren Seite und können erst einmal durchatmen.

Ja, auch wenn die Kinder eigentlich im Kindergarten oder in der Schule sind … Ja, auch wenn man eigentlich noch den Zug erwischen müsste, um das Kind rechtzeitig von der Kita zu holen … Das Leben verläuft eben nicht immer nach Plan. Und nach einem eigentlich schert es sich sowieso nicht.

„Prinzipiell klappt das Thema Zeiteinteilung mit ein bisschen Übung ganz gut. Routine und Strukturen helfen dabei. Eine gewisse Flexibilität und Spontanität ist aber auch unbedingt nötig, weil weder im Beruf noch in der Familie immer alles nach Plan läuft.“ (Annette Holthausen, Forscherfreunde)

Tipp #4: F*ck Perfektionismus!

Wenn man all die Ansprüche, die die Gesellschaft an Frauen und Männer, Mütter und Väter, Selbstständige und Angestellte stellt, akzeptiert, kann man nur eins: durchdrehen. Deshalb einfach mal drauf pfeifen, dass man in allen Bereichen „nur“ 70 oder 80 Prozent leistet. Wir alle geben jeden Tag unser Bestes. Und gut genug, ist eben genau das: gut genug.

„Was ich sagen kann ist, einfach nicht alles perfekt machen wollen, auch mal Fünfe gerade sein lassen und Prioritäten setzen. Man kann nicht alles haben, ohne irgendwann einen hohen Preis dafür zu zahlen.“ (Corina Dobbertin, Content Courier)

Tipp #5: Baut euch ein Netzwerk auf – und nutzt es

Wenn man ehrlich ist, ist es doch Wahnsinn, dass gerade mal zwei Menschen für eine solch wichtige Aufgabe wie das Aufziehen von Kindern verantwortlich sein sollen. Zum Glück gibt es mit Großeltern, Nachbarn, Freunden oder anderen Eltern viele potentielle Helfer, die nur darauf warten, unter die Arme zu greifen, wenn es eng wird.

„Scheut Euch nicht, zu fragen. Viele Eltern trauen sich nicht, weil sie andere nicht „belästigen“ wollen. Aber da denke ich, alle Eltern sind alt genug um zu sagen: Nein, heute passt es leider nicht, dass Dein Kind am Nachmittag zu uns kommt. Und gerade mit einem Kind fand ich es zum Beispiel immer toll, wenn mein Sohn Freunde da hatte, das war entspannter als ohne. Mir haben diese Eltern-Netzwerke viel gebracht und vor allem haben sie „unproduktive“ Dinge wie Fahrdienste reduziert.“ (Julia Gänzler, kommunikation\küche)

Nicht selten ergibt sich durch ein funktionierendes Netzwerk hin und wieder noch ein Extrastündchen am Nachmittag, das man für die längst überfällige Buchhaltung nutzen könnte. Oder einfach nur zum Mittagsschläfchen, um wieder neue Kraft zu tanken. (Auch nicht zu unterschätzen!)

Tipp #6: Plane genug Pausen und Puffer ein

Die Selbstständigkeit ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wer Abende und Wochenenden immer zum Arbeiten verplant, dem geht irgendwann die Puste aus. Nach zwei Jahren Selbstständigkeit weiß ich, wie wichtig es ist, Abende und Wochenenden grundsätzlich freizuhalten und nicht als Arbeitszeit mit einzurechnen. Entweder nutze ich dann diese Zeit, um ganz gezielt und bewusst Pausen zu machen und mit meinen Lieben zusammen zu sein. Oder ich habe – wenn es hart auf hart kommt – noch genügend Puffer, um liegen gebliebene Aufgaben zu erledigen und nicht mit beruflichen Deadlines in Verzug zu kommen.

Gleichberechtigung und Selbstständigkeit – ein Fazit

Gleichberechtigung in der Partnerschaft ist auch – oder vor allem – dann ein Thema, wenn jemand selbstständig ist. Neben einem grundlegenden Verständnis für die Besonderheiten der Selbstständigkeit ist es wichtig, sein Business ernst zu nehmen und die verfügbare Zeit fair untereinander aufzuteilen. Kommunikation und Planung sind entscheidend. Wie handhabt ihr es mit der Gleichberechtigung in der Partnerschaft? Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr vielleicht sogar einen Tipp, der bei euch funktioniert?

Beitrag von Alexandra Polunin-Müller, Februar 2018
Mehr über Alexandra erfahrt ihr unter www.alexpolunin.com

 

 

Porträt Britta Ultes (Achtsam Essen)

Der Weg entsteht beim Gehen – vertrau Deinem Bauchgefühl

Eine Familie und ein eigenes Unternehmen zu vereinbaren – das ist Alltag für viele Gründer/innen, Solopreneure und Unternehmer/innen. Hier auf dem Blog geben Selbständige einen Einblick, wie sie die beruflichen und familiären Herausforderungen angehen und welche Lösungen und Wege sie für sich gefunden haben. Heute erfahren wir mehr aus dem parentrepreneurs-Leben von Britta Ultes. Sie ist Diplom-Ökotrophologin lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern und Kater Moses zwischen Heidelberg und Mannheim.

Britta ist Ernährungsexpertin für einen gesunden und ganzheitlichen Lebensstil. In ihren Coachings und Kursen verbindet sie Ernährung mit Achtsamkeit. Mit dem von ihr entwickelten Programm „Achtsam Essen“ unterstützt Britta Frauen auf ihrem Weg zurück zu einem natürlichen Körpergefühl, Essen ohne schlechtes Gewissen, Genießen mit allen Sinnen und mehr Lebensfreude.

Wie war Dein Weg zur Selbständigkeit?

Kurz bevor ich schwanger wurde bin ich damals zu meinem Mann an den Kaiserstuhl gezogen. Ich hatte einen Jahresvertrag bei einem Bio-Großhändler in der Region. Der Vertrag lief nach der Geburt aus. In meiner Elternzeit beschäftigte ich mich nochmal intensiver mit der Ernährung, machte eine Weiterbildung beim Verband für unabhängige Gesundheitsberatung UGB, um mich dann selbständig zu machen. Die Selbständigkeit kam aus der Situation heraus, dass ich keinen Job mehr hatte, in den ich hätte zurückkehren können und dem Wunsch, Familie und Beruf flexibel vereinbaren zu können.

Wie lebst Du Vereinbarkeit und wie gehst Du mit den alltäglichen Herausforderungen um?

Unser Alltag sieht so aus, dass mein Mann deutschlandweit unter der Woche sehr viel unterwegs ist. Je nach Saison finden am Wochenende Veranstaltungen oder Messen statt, an denen er teilnimmt. So bin ich mit den Kindern die meiste Zeit alleine, übernehme die Betreuung, die alltäglichen Aufgaben im Haushalt und manage unseren Familienalltag.

Mein Tag beginnt mit dem Wecken der Kinder, Frühstücken, anziehen und meine Tochter in den Kindergarten bringen. Mein Sohn ist noch kein Jahr alt und darum betreue ich ihn zu Hause. Seine Schlafphasen nutze ich zum Arbeiten an meinem Online-Business bis zur Mittagszeit, wenn ich meine Tochter vom Kindergarten abhole. Nachmittags ist Familienzeit und wenn die Kinder abends im Bett liegen betreue ich meine Online-Kurse bzw. kümmere mich um die Hausarbeit.

Unsere Familien wohnen nicht in der Nähe, so dass es immer ein Spagat ist alles alleine unter einen Hut zu bekommen. Das ist auch der Grund, warum ich das Online-Coaching für mich entdeckt habe. Ich kann flexibel von zu Hause aus arbeiten und gleichzeitig für meine Kinder da sein. Die moderne Onlinewelt macht es möglich!

Die liebe Zeit… Hast Du welche für Dich und wie gestaltest Du sie?

Zeit für mich bleibt wenig. Aber ich plane mir immer wieder Ruhemomente ein. Die brauche ich, um Kraft zu tanken und mit Energie meinen Alltag zu meistern. Vor allem abends vor dem Schlafengehen nehme ich mir ein paar Minuten, um den Tag Revue passieren zu lassen und mein Danke-Tagebuch zu schreiben. Und am Wochenende, wenn wir wieder zu viert sind, genieße ich unsere Familytime. Es gibt dann auch Zeit für mich, wenn mein Mann mit beiden Kindern alleine spielt. Die nutze ich gerne zum Lesen, für ein Entspannungsbad oder Kaffeetrinken im Café.

Deine Tipps aus dem Nähkästchen für (werdende) Selbständige mit Familie?
Ich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen als selbständig zu arbeiten. Es ist für mich die Möglichkeit im Beruf zu bleiben und gleichzeitig für meine Familie da zu sein.

Mein Tipp für alle, die sich selbständig machen wollen: Wenn du die Möglichkeit hast, dann nutze sie! Mein Mantra: Der Weg entsteht beim Gehen. Vieles entwickelt sich mit der Zeit. Baue dir vielleicht erst neben deinem Hauptberuf etwas auf oder nutze die Elternzeit. Aber wenn du es nicht ausprobierst, weißt du nie ob es nicht doch die richtige Entscheidung gewesen wäre. Höre auf deine innere Stimme und vertraue dir und deinem Bauchgefühl!

Liebe Britta, herzlichen Dank für das Interview.

Ein Tipp für alle, die neugierig geworden sind und „Achtsam Essen“ ausprobieren möchten: Am 19. Februar 2018 startet Britta eine kostenlose 5-Tage-Challenge unter dem Motto „In 5 Schritten mit allen Sinnen genießen“. Mehr über Britta Ultes findet Ihr unter www.britta-ultes.de.

 

Porträt Corina Dobbertin (Content Courier)

Beständige Prioritäten, viel Kaffee und nichts, was nicht geht …

Auf dem parentrepreneurs-Blog geben Unternehmer/innen, Solopreneure und Gründer/innen einen Einblick in ihren Alltag und zeigen, wie sie Selbständigkeit und Familie unter einen Hut bekommen. So unterschiedlich wie die Geschäftsmodelle sind dabei die individuellen Geschichten, Lösungen und Tipps.

Den Anfang in unserer Porträt-Reihe macht Corina Dobbertin. Sie lebt mit ihrem kleinen Sohn, dessen Vater sowie Hund und Hühnern in Brühl im Rhein-Neckar-Kreis. Sie ist seit 2011 mit ihrem Unternehmen content-courier  in Leimen selbständig. Anfangs war sie vor allem Datenmigrationsdienstleisterin für Content-Management-Systeme (CMS), mittlerweile bietet sie alle Services rund um eine Website an.

Corina, vielen Dank für dieses Interview. Erzählst du uns, wie dein typischer Arbeitstag aussieht?

Der beginnt mit mindestens einem Liter Kaffee und etwa einer Stunde E-Mails checken. Meine Arbeit zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass ich schnell reagiere und bei (für den Kunden dringenden) Problemen umgehend helfe – wenn ich kann, noch am selben Tag. Daher wirkt es oft etwas hektisch, aber ich mag diesen „Druck“ dabei und fühle mich gut beim Abarbeiten. Ruhiger wird es, wenn ich Angebote ausarbeite oder ein Beratungsgespräch vorbereite.

Was sind deine größten Herausforderungen im Alltag?

Herausfordernd für mich ist, meinem Sohn immer wieder zu zeigen, dass er jederzeit zu mir kommen kann, auch wenn ich Arbeit mit nach Hause genommen habe und diese abarbeiten muss. Bitte ich ihn mal darum, mich für 15 Minuten nicht zu stören, nehme ich ihn dafür noch einmal mehr in den Arm. Ansonsten passt es, wenn ich meine Prioritäten nicht immer wieder neu setze. Klar gibt es Wäscheberge und krümelige Fußböden in meinem Haus, aber dafür sauber gekleidete und satte Menschen und Tiere.

Hast du Zeit für dich ganz persönlich? Wie gestaltest du sie? Und warum ist sie dir wichtig?

Nein, seit ich Mutter bin, eigentlich nicht mehr. Mein Sohn geht meist nicht vor uns ins Bett und wenn doch, arbeite ich noch etwas. Aber eigentlich ist die Arbeit ja, was ich für mich tue. Also kann man es so oder so sehen. Manches Mal, wenn Papa und Kind sich verkrümeln für eine kleine Weile, schaue ich mir einen Film an oder gehe shoppen oder zum Frisör. Das sind dann ganz kleine Auszeiten, die ich mir gönne.

Welche Rollen erfüllst Du? Welche würdest Du vielleicht gerne abgeben?

Da mein Lebenspartner beruflich sehr stark eingebunden ist, erfülle ich im Alltag eigentlich alle Rollen. Hausverwalterin, Tierversorgerin, Bezugsperson Nummer Eins für das Kind und eben auch Ernährerin beziehungsweise Geldranschafferin. Abgeben will ich eigentlich nichts, denn alles gehört zu meinem Leben dazu. Ich würde aber gern mehr teilen.

Wann hast Du das letzte Mal NEIN gesagt?

Privat fällt das Wort recht häufig, in der Arbeitswelt weniger oft. Es gibt nichts, was nicht geht und morgen ist schlechter als heute. Es ist ein Lernprozess, den ich zusammen mit den Kund/innen und Partner/innen durchlaufe. Es wird dadurch besser und das sollte es auch. Ich finde es wichtig, auch mal nein zu sagen.

 Was macht dich besonders?

Was mich besonders macht – nun, da stimmen mir sicher viele meiner Partner und Kunden zu – ich bin irgendwie stoffelig. Mein Lebenspartner würde sagen, norddeutsch. Ich bin im Umgang mit meiner Arbeit und auch den Kund/innen und Partner/innen freundlich, zuvorkommend und höflich, aber auch sehr sachlich und direkt. Und wenn es nichts zu lachen gibt, dann lach‘ ich auch nicht. Bei Problemen, auf welcher Seite auch immer, mache ich darauf aufmerksam und da müssen wir dann alle durch.

Welche Tipps hast du an Eltern, die sich selbständig machen wollen?

Nehmt die finanzielle Unterstützung an, die ihr bekommen könnt. Auch wenn es den einen oder anderen Aufwand bedarf. Ich hörte letztens von einer Frau, dass sie ganz ohne „Fremdfinanzierung“ ihr Unternehmen aufgebaut hat und total stolz drauf war. Es ging um das Thema „Existenzgründerzuschuss“. Da vertrete ich die Meinung, wenn du ihn haben kannst, dann hol ihn dir, es macht die Sache um so vieles leichter.

Diese Fragen beantwortete uns Corina Dobbertin von Content Courier.
Weitere Informationen zu ihr unter www.content-courier.de und www.facebook.com/ContentCourier/

Das Ding mit der Vereinbarkeit

von Annette Holthausen:

Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie ist ein vieldiskutiertes Thema. Im Fokus steht dabei oft das Engagement der Arbeitgeber für die Beschäftigten. Und tatsächlich findet mittlerweile in vielen Unternehmen ein Umdenken statt. Firmen kämpfen um gute Mitarbeiter/innen und sind oft bereit, ihren Arbeitnehmer/innen tatkräftig unter die Arme zu greifen. In vielen Branchen gehören Kinderbetreuungsangebote, flexible Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle und attraktive Extras, wie ein Familienservice oder Unterstützung bei der Ferienbetreuung zum guten Ton. Selbstverständlich wissen wir, dass das (noch) längst nicht überall der Fall ist und auch hier noch viel Handlungsbedarf besteht.

Für Selbständige mit Kindern gilt dies in dieser Form nicht. Naturgemäß haben Selbständige keinen netten Arbeitgeber, der sie beim Thema Vereinbarkeit und Kinderbetreuung unterstützt. Nun hat die Selbständigkeit arbeitsorganisatorisch viele Vorteile. Als eigener Chef kann man sich seine Arbeitszeit frei einteilen, für seine Kinder da sein, wenn sie krank sind oder der Kindergarten mal wieder Planungstag hat. Was dabei oft übersehen wird: Die Arbeit erledigt sich deshalb nicht von selbst. Sie wird noch nicht einmal weniger. Und erschwerend kommt hinzu, dass viele Selbständige mehr als die üblichen 40 Stunden arbeiten, die ein(e) Angestellte(r )in Vollzeit zu absolvieren hat.

Außerdem kann nicht jede Arbeit einfach mal liegen bleiben. Nicht eingehaltene Deadlines oder (zu häufig) verschobene Kundentermine sind nicht unbedingt geschäftsfördernd. Gerade kleinere Unternehmen oder Solo-Selbstständige können derlei oft nicht kompensieren.

Nun soll an dieser Stelle absolut keine Diskussion darüber gestartet werden, ob es Angestellte oder Selbständige mit Kindern schwerer haben. Vielmehr soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Herausforderung Familie und Beruf unter den bekannten Hut zu bekommen, auch in der Selbständigkeit schwierig ist.

Lösungen sind vielschichtig und oft sehr individuell. Jede Familie, jede(r )Selbständige muss selbst finden, welches Modell am besten zur jeweiligen Situation passt. Dennoch hilft Austausch und Netzwerken hier natürlich sehr. Aus diesem Gedanken heraus ist das Netzwerk der Parentrepreneurs entstanden. In unserem Blog werden an dieser Stelle in Kürze Porträts von Parentrepreneurs vorgestellt.

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